Die Corvette holt beim Einstiegsmodell aus einem Sechs-Liter-Triebwerk 437 PS. (FOTO: WE)
Schon die Premiere war ein Knaller. 1953 stellte Chevrolet einen selbst für amerikanische Verhältnisse radikalen Roadster vor. Zwei Jahre zuvor war dem legendären GM-Chefdesigner Harley Earl, der die Heckflossen erfunden hatte, bei einem Rennen in Watkins Glen ein eleganter offener Zweisitzer von Jaguar ins Auge gefallen, der XK 120. Um den neuen Sportler wirklich im Geheimen entwickeln zu können, erhielt das Projekt den Decknamen "Opel".
Nach Beginn der Serienfertigung hielt sich die Nachfrage nach dem Zweisitzer freilich in Grenzen. Ein uralter Vorkriegs-Sechszylinder brachte bei weitem nicht die Leistung, die die Form erwarten ließ. Erst ab 1955 nahm die Karriere des ältesten und erfolgreichsten Sportwagens der Welt richtig Fahrt auf, als General Motors den "Smallblock"-V8 vorstellte. Der technisch einfache Achtzylinder mit einer zentralen Nockenwelle zwischen den Zylinderbänken und der Ventilsteuerung über Stößelstangen avancierte augenblicklich zur Standard-Motorisierung der Corvette.
In Europa tat sich die Corvette stets schwer. Die technisch hochgerüsteten Sportwagen-Eliten von Ferrari, Maserati über Porsche, Mercedes bis zu Jaguar rückten den US-Sportler mit seiner Kunststoffkarosserie, dem dicken Einfachmotor und der lange antiquierten Fahrwerkstechnik in die Ecke des Posers und Parvenüs. Derzeit befindet sich die Corvette in der sechsten Generation. Die C6 hat sich bis heute zum hochbegabten Sportgerät entwickelt. Der 4,44 Meter lange Zweisitzer ist als Coupé und als Cabrio "Convertible" verfügbar. Der "Smallblock" mit seinen acht Verbrennungseinheiten hat 6,2 Liter Hubraum erreicht. Was lange nicht das Ende der Fahnenstange ist, denn die leistungsgesteigerte Version Z06 bringt es auf sieben Liter. Die "Basis-Vette" erfreut Herz und Unverstand mit 321 kW / 437 PS. Da nur 1 461 Kilo, maximal zwei Personen und vollgetankt 69 Liter Sprit bewegt werden müssen, schnalzt der Ami aus dem Stand in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 300 km / h Höchstgeschwindigkeit.
Trotz Leichtmetall für Block und Kopf, geschmiedeten Kolben und Titanpleuel bei der Z06, ist der von Vielventiltechnik, variabler Nockenwellensteuerung und Bi-Turbo verwöhnte europäische Sportwagenenthusiast noch immer geneigt, seine Nase über die amerikanische "Steinzeittechnik" zu rümpfen. Doch die Leistung des V8 ist ohne Fehl und Tadel.
Die Corvette stellt ab 4 600 U / min 575 Newtonmeter bereit, beim aktuellen Porsche 911 Carrera mit 257 kW / 350 PS weist das Datenblatt 390 Nm bei 5 600 U / min aus. Dank des extrem lang übersetzten sechsten Gangs der Corvette-Schaltung lässt sich der Chevrolet auf langen Strecken entspannt und vor allem erstaunlich genügsam bewegen. Tests erbrachten einen Verbrauch von neun Liter auf 100 Kilometer.
Der Grundpreis von 75 758 Euro ist in dieser Leistungsklasse unschlagbar. Ein Porsche 911 Carrera startet seine Preisliste bei 88 067 Euro.