Geobotaniker Helge Bruelheide im Botanischen Garten in Halle. Auch hier ist Biodiversität zu sehen. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)
Die Biodiversität nimmt weltweit kontinuierlich ab. "Jährlich sterben schätzungsweise 130 Arten aus", sagt Helge Bruelheide, Professor für Geobotanik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Eine erschreckende Bilanz, wenn man bedenkt, dass die 1,3 Millionen bekannten Arten, "vielleicht nur ein Zehntel aller weltweit existierenden Arten ausmachen", so Bruelheide, "und manche Arten schneller aussterben als man sie erforschen kann."
Diese Fakten zeigen wie wichtig die Forschung auf dem Gebiet ist, denn Biodiversität ist vielfältig. "Sie umfasst die Vielfalt der Gene und Arten bis hin zur Vielfalt der Ökosysteme", erklärt Bruelheide.
Ein Leuchtturm in der Biodiversitätsforschung soll das neue Zentrum zur "Integrativen Biodiversitätsforschung" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) werden, welches erst kürzlich seine Arbeit aufgenommen hat. Zentraler Standort der Einrichtung, die offiziell "German Centre of Integrative Biodiversity Research" heißt, ist Leipzig. Dennoch werden insgesamt drei Universitäten an dem Zentrum mitwirken: Halle, Jena und Leipzig. Gemeinsam hatten die drei Universitäten an dem vom DFG ausgeschriebenen Wettbewerb teilgenommen und sich letztlich gegen 13 Mitstreiter durchgesetzt.
"Es handelt sich um ein integratives Zentrum, und da wir alle schon seit vielen Jahren zusammen gearbeitet haben, lag es nahe, sich gemeinsam zu bewerben", begründet Bruelheide die Entscheidung. Er vertritt die MLU in dem vierköpfigen Direktorium des neuen Zentrums. Laut Bruelheide ist es das größte Drittmittelprojekt, welches jemals von den drei Universitäten angeworben wurde.
Neben den Universitäten werden sich auch mehrere Max-Planck-Institute, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig und Institute der Leibniz-Gemeinschaft beteiligen. Zudem sollen insgesamt acht Professuren eingerichtet werden, drei davon in Halle: für Biodiversität und Naturschutz, Biodiversitätssynthese sowie Physiologische Diversität. Insgesamt entstehen circa 130 neue Stellen. Auch die halleschen Studenten profitieren von der Einrichtung. "Der Standort Halle wird durch dieses Zentrum noch interessanter", ist sich Bruelheide sicher. Zumal es sich nicht um eines von vielen, sondern um eines der weltweit größten dieser Art handele.
Das Thema Biodiversität ist ein Markenzeichen der MLU. Das spiegelt sich auch im Interesse der Studierenden wider - so ist das Studienmodul "Naturschutz" besonders nachgefragt. Laut Bruelheide liegt das daran, dass deutschlandweit nur wenige Universitäten in diesem Bereich ausbilden und Fachkräfte dringend gesucht werden.
"Die Artenvielfalt sichert unsere Lebensgrundlage", sagt Bruelheide, und letztlich sei es eben wie beim Kochen: "Für ein richtig gutes Rezept braucht man viele verschiedene Zutaten."