Prüfung: Rollenspiel gegen Versagensängste

26.07.2012 17:13 Uhr | Aktualisiert 26.07.2012 17:20 Uhr
Prüfungsstress vor den Semesterferien: Rund 400 Studenten der Universität Magdeburg schreiben gleichzeitig eine Klausur zu «Produktion und Logistik» in den Magdeburger Messehallen. (FOTO: ARCHIV/DPA) 
Von FRAUKE HOLZ
Der buchstäbliche Kloß im Hals während der mündlichen Prüfung oder die Schreibblockade kurz vor Abgabe der Abschlussarbeit - für viele Studenten ist das eine bekannte Situation.
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Halle (Saale)/MZ. 

Während die einen dies händeln können, fällt es anderen umso schwerer. Viele, die nicht weiter wissen, wenden sich an Annett Zehnpfund von der psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks Halle. "Meist kommen die Probleme Schlag auf Schlag und häufig erst kurz vor dem Abschluss", sagt die Sozialarbeiterin. So kommen vermehrt Studenten zu ihr, die Probleme mit ihrer Abschlussprüfung oder -arbeit haben.

Doch wie entsteht Leistungsdruck und die daraus resultierende Angst? Der Vergleich mit anderen Studierenden sei laut Zehnpfund ein Auslöser. Oder Eltern und Freunde, die wiederholt nachfragen, wie das Studium vorangeht. "Manche Studierende haben auch die gleichen Erwartungen wie im Abitur und gelangen während des Studiums dann an ihre Grenzen", erklärt sie. Für viele sei es undenkbar, ein Fach mit der Note 4 abzuschließen. "Man kann aber nicht in jedem Fach alles geben. Das ist unrealistisch", sagt Zehnpfund und rät, die Kräfte einzuteilen und abzuwägen, was wirklich wichtig ist.

Je näher eine Prüfung rückt, desto höher steigt die Angst bei vielen Studenten. "Angst kann auch positiv sein und uns antreiben, doch steigert sie sich und geht man nicht angemessen mit ihr um, kann sie einen blockieren", so Zehnpfund. Deshalb empfiehlt sie beispielsweise Prüfungssituationen, die einem große Angst machen, durchzuspielen und sich in einer Art Rollenspiel von Freunden oder Kommilitonen abfragen zu lassen. In der Prüfung selbst helfe es dann, sich die abfragenden Dozenten als eben diese Freunde oder Kommilitonen vorzustellen. Um sich auf schriftliche Prüfungen vorzubereiten, könne man die Klausuren vorhergehender Jahrgänge durchgehen.

Eine große Hürde stellt für viele das Schreiben der Abschlussarbeit dar - manchen fehlt die Motivation, andere haben ein ungünstiges Zeitmanagement. "Die Abschlussarbeit ist für viele mit zu viel persönlichem Druck verbunden", sagt Zehnpfund, "und sie haben das Gefühl mit der Abgabe dieser Arbeit, einen Teil von sich selbst abzugeben". Wichtig sei es, einen Zeitplan zu erstellen und die Arbeit somit in kleine Häppchen zu teilen. Sich vollkommen der Arbeit zu verschreiben, sei der falsche Weg. "Viele Studenten haben gar kein Privatleben mehr", so Zehnpfund. Natürlich sollte während der Arbeitsphase darauf geachtet werden, Ablenkungen wie Internet oder Fernsehen zu widerstehen, doch Pausen nach Arbeitsphasen müssen zur Entspannung sein.

Und wenn gesundheitlich nichts mehr geht? "Eine Auszeit nehmen", rät Zehnpfund. Wem eine vorübergehende Krankschreibung nicht reicht, sollte über ein Urlaubssemester nachdenken. Zwar scheuen sich viel Studierende davor, "doch was ist schon ein Semester gegen den Rest des Lebens"?