Elisabeth Icha ist 24 Jahre alt und Maschinenbau-Studentin an der Hochschule (HS) Anhalt in Köthen. Doch das war nicht immer so. Begonnen hat die junge Frau, die im Altkreis Köthen aufgewachsen ist, ihr Studium an der HS Hannover. Zwei Semester war sie in der niedersächsischen Landeshauptstadt, bevor sie sich für einen Hochschul-, aber keinen Studiengangwechsel entschied. "Ich habe mich zunehmend unwohler mit meiner Wahl gefühlt und schlechte Noten bekommen", sagt sie rückblickend.
Jeder Vierte bricht Studium ab
Elisabeth Icha ist kein Einzelfall. In Deutschland liegt die Abbruchquote bei 23 Prozent im Diplom- und 28 Prozent im Bachelorstudium, wie aus einer Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung hervorgeht. In Sachsen-Anhalt ist es laut Statistischem Landesamt sogar mehr als jeder vierte Student, der sein Studium abbricht. Entweder ist der Studiengang nicht der Richtige oder die Hochschule und ihre Umgebung passen nicht. Im Jahr 2010 verließen demnach 11 310 Studierende die Hochschulen, 5 236 davon ohne Abschluss. Allerdings sind nicht alle von ihnen Studienabbrecher. Rund 800 wechselten die Hochschule, knapp 2 500 Studenten gaben ihr Studium auf, unterbrachen es oder wurden von der Hochschule exmatrikuliert. Mehr als 400 bestanden Prüfungen nicht und verließen deshalb die Hochschule. Ein Studium abzubrechen, erfordert Mut. Denn die bereits investierte Zeit und Arbeit scheint vergeudet. Dennoch kann es richtig sein, noch einmal von vorne anzufangen.
Persönlichkeit nicht ausgereift
Laut Annett Zehnpfund von der psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks Halle liegt ein Grund für den Studienabbruch in der überstürzten Studienwahl nach dem Abitur. "Im Alter von 19 Jahren ist es schwierig, die richtige Studienwahl zu treffen", sagt sie, "denn die Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift." Manche würden sich beispielsweise nur für ein Jura-Studium entscheiden, weil die Eltern Juristen sind. Sie selbst haben aber gar keinen Bezug dazu. "Je später man sich für ein Studium entscheidet, desto leichter fällt es einem", so die Sozialarbeiterin. Deshalb sei es für einige Abiturienten einfacher, zunächst eine Lehre zu absolvieren. Einen weiteren Grund sieht sie in dem Bachelor-Master-System. Der Bachelor sei zwar strukturiert, aber nicht alle kämen damit zurecht. Zudem reagieren ihrer Erfahrung nach viele Studenten nicht rechtzeitig. "Meist treten größere Probleme erst kurz vor dem Ende auf, wenn nur noch die Abschlussarbeit fehlt."
Elisabeth Icha hat nicht zu lange gewartet, sondern frühzeitig die HS gewechselt. Der Hauptgrund lag darin, dass die Studieninhalte in Hannover nicht dem entsprachen, was sie sich vorgestellt hatte, trotz vorheriger Information über den Studiengang. "Hinzu kam eine von mir empfundene Ausgrenzung aufgrund der Herkunft aus dem Osten und der daraus resultierenden Meinung meiner Kommilitonen zur DDR", sagt Icha. Ein dritter, wenn auch nicht ausschlaggebender Grund war familiären Ursprungs. Heute ist Icha im achten Semester und "ich habe es nicht bereut, an die kleine, heimatnahe Hochschule gewechselt zu sein".