Die Fans im Stadion an der Alten Försterei in Berlin sahen ein Torfestival. (FOTO: DPA)
Obwohl sich die Hansa-Elf am vorletzten Spieltag der zweiten Fußball-Bundesliga nach Kräften wehrte, muss der Klub nach dem spektakulären 4:5 (3:3) im Ost-Derby beim 1. FC Union zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren den Gang in die Drittklassigkeit antreten. Denn auch Relegationsplatz 16 ist nicht mehr zu erreichen.
"Das ist sehr, sehr enttäuschend. Aber wir sind nicht heute abgestiegen", sagte Sportchef Stefan Beinlich. Möglicherweise kommt es für den ehemaligen Erstligisten und letzten DDR-Meister sogar noch schlimmer, denn Hansa droht mit dem Abstieg auch die Insolvenz.
In einem verrückten Spiel waren die Rostocker am Sonntag durch Treffer von Matthias Holst (4. Minute) und Tino Semmer (10.) 2:0 in Führung gegangen. Doch die Gastgeber, für die es im Fernduell mit Dynamo Dresden höchstens noch um die "Ost-Meisterschaft" ging, schlugen innerhalb von elf Minuten zurück. Silvio (17.), Michael Parensen (26.) und Kapitän Torsten Mattuschka (28.) per Foulelfmeter sorgten für das Berliner 3:2, das allerdings Rostocks Stephan Gusche per Kopfball umgehend wieder konterte (32.).
Vor 18 300 Fans in der ausverkauften "Alten Försterei" versenkten Chinedu Ede (47.) und Daniel Göhlert (69.) mit ihren Toren die letzten Hansa-Hoffnungen. Daran konnte auch Marek Mintal (54.) nichts mehr ändern. "Ich habe mich bei jedem Spieler für die Leistung heute bedankt", erklärte Hansa-Coach Wolfgang Wolf, der die Gründe für den Abstieg vor allem in vorangegangenen Spielen sucht: "Vielleicht waren wir hier nach dem 2:0 zu leichtfertig. Es ist müßig, darüber zu diskutieren."
Vorstandschef Bernd Hofmann meinte: "Es ist ein Spiegelbild der Saison: Es war ein Auf und Ab - und am Ende reicht es nicht. Jetzt müssen wir den Abstieg erst einmal verdauen."
Der FC Hansa geht allerdings einer völlig ungewissen Zukunft entgegen. Sollte die Rostocker Bürgerschaft am 9. Mai einem Hilfspaket ihre Zustimmung verweigern, müsste der Klub Insolvenz anmelden. Dann könnte der Zwangsabstieg in die Regionalliga oder sogar in die Oberliga folgen. Den Klub drücken derzeit Schulden in Höhe von 8,5 Millionen Euro, etwa 4,5 Millionen davon resultieren aus Steuerschulden zwischen 1999 bis 2001. Nur ein Teilerlass dieser Steuerschulden, der Ankauf eines in Hansa-Besitz befindlichen Sportgeländes und ein Zuschuss durch die Bürgerschaft in Höhe von 750 000 Euro könnten Hansa retten. Die Fans planen unter dem Motto "Ja zum FCH" eine Demonstration vor dem Saisonabschluss gegen Aufsteiger Greuther Fürth.
"Verheerende Folgen"
Vorstandschef Hofmann hatte, nachdem der Finanzausschuss der Stadt bereits einen Erlass der Steuerschulden abgelehnt hatte, von "verheerenden Folgen für den Fußball in Rostock und in der Region" gewarnt. Auch die Landesregierung hat inzwischen Hilfe abgelehnt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutschen Fußball-Bund (DFB) haben Hansa die Lizenz nur mit Auflagen und Bedingungen erteilt. Die Liquidität für die kommende Spielzeit muss noch nachgewiesen werden.
Auch die Zukunft von Trainer Wolfgang Wolf, der im vergangenen Dezember Peter Vollmann abgelöst hatte, ist offen. Der Vertrag läuft mit dem Saisonende aus. Wolf und Hansa wollen auch in der dritten Liga zusammenarbeiten - wenn es denn dazu kommt.
Cottbus patzt in Ingolstadt
Rostock geht einer ungewissen Zukunft entgegen, bei zwei anderen Ostvereinen wird um den Klassenerhalt gezittert. Cottbus unterlag 0:1 beim FC Ingolstadt durch ein spätes Tor von Collin Quaner (84.) und ist jetzt zehn Spiele ohne Sieg. Bei weiterhin zwei Zählern Vorsprung auf Relegationsplatz 16 benötigen die Lausitzer am Sonntag gegen Union Berlin wohl mindestens ein Unentschieden, um in der Liga zu bleiben. "Die Mannschaft hat das Spiel bestimmt. Wir haben es nur verpasst, den Sack zuzumachen. Dann darf aber auch in der 84. Minute nichts mehr passieren. Wir müssen jetzt eine Ehrenrunde drehen, haben es aber selbst in der Hand", sagte Cottbus-Trainer Rudi Bommer.
Aue muss gegen Bochum ran
Auch Erzgebirge Aue muss bis zum letzten Moment um den Verbleib in der Liga bangen. Das Team von Trainer Karsten Baumann unterlag am Sonntag beim MSV Duisburg mit 1:2 und ist punktgleich mit Cottbus. Aues Trainer war bedient. "Nach dem Rückstand aus heiterem Himmel war es, als wenn bei meinen Spielern eine Klappe gefallen wäre. Da sind wir überhaupt nicht mehr richtig in die Zweikämpfe gekommen. Aus dem Auftritt in der zweiten Halbzeit können wir Mut für das schwere Spiel nächste Woche gegen Bochum schöpfen", sagte Baumann.