Abstellung junger Profis: Der Störfaktor Olympia

08.07.2012 17:50 Uhr
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Granit Xhaka

Granit Xhaka fährt nicht mit der Schweiz zu den Olympischen Spielen. (FOTO: DPA)

Von Tom Vaagt
Für manchen Bundesligaprofi funkelt die Aussicht auf einen Stammplatz offenbar weitaus mehr als eine Medaille bei den Olympischen Spielen in London. Sehr zum Leidwesen Fußballverbände der jeweiligen Länder.
Hamburg/dapd. 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Für manchen Bundesligaprofi funkelt die Aussicht auf einen Stammplatz offenbar weitaus mehr als eine Medaille bei den Olympischen Spielen in London. Sehr zum Leidwesen des Schweizerischen Fußballverbandes (SFV). Nach Xherdan Shaqiri von Bayern München fehlt nun auch Granit Xhaka im Aufgebot des SFV für die Sommerspiele. Am Sonntag gaben die Schweizer im Streit um die Nominierung des 19-Jährigen nach. Xhaka bekommt seinen Willen. Er absolviert die Saisonvorbereitung beim neuen Klub. Die Liaison von Fußball und Olympia bleibt irgendwie ein Missverständnis.

Schon 2008 gab es Gezerre um die Nominierung hoch bezahlter Spieler für das Turnier in Peking. Die Voraussetzungen waren jedoch andere. Während dieses Mal so mancher Profi gar nicht will, aber eigentlich muss, wollten vor vier Jahren besonders die beiden Brasilianer Diego (damals Werder Bremen) und Rafinha (damals Schalke 04) - durften aber eigentlich nicht. Die Vereine hatten ihr Veto eingelegt, der Fall beschäftigte zwischenzeitlich gar den internationalen Sportgerichtshof CAS. Am Ende liefen die Spieler bei Olympia auf, ihre Klubs erhielten finanzielle Vergütungen.

Zwtl.: Xhaka: „Kann Gladbach in der Vorbereitung nicht fehlen“

Um solch einem Chaos zu entgehen, legte der Fußball-Weltverband FIFA in der Folgezeit verbindliche Regeln fest. Profis unter 23 Jahren müssen freigestellt werden - wie der 20-jährige Shaqiri oder eben Teenager Xhaka. Dumm nur, wenn die Spieler andere Interessen haben. „Ich kann in Gladbach während der Vorbereitung nicht fehlen“, sagte Xhaka zuletzt immer wieder. Auch für Shaqiri war die Lage klar: „Ich habe den Verein gewechselt und muss mich integrieren. Natürlich wäre Olympia eine tolle Sache gewesen, aber ich werde es mir nur im Fernsehen anschauen.“

Doch auch andere Spieler sind mit ihrer Olympia-Nominierung nicht recht glücklich. Timm Klose vom 1. FC Nürnberg, der von den Schweizern als einer von drei möglichen Spielern über 23 Jahren berufen wurde, scheint ebenfalls hin- und hergerissen. Es winkt ein einzigartiges Erlebnis in London, aber auch eine schwere Hypothek im Kampf um einen Stammplatz in der Club-Defensive. „Man bekommt nicht oft die Chance, an Olympia teilzunehmen. Allerdings soll sich Timm natürlich auch bei uns zeigen“, beschreibt Nürnbergs Coach Dieter Hecking das Dilemma.

Zwtl.: Turnier endet zwei Wochen vor Bundesligastart

Immerhin endet das Turnier in London am 11. August und damit knapp eine Woche vor der 1. Runde im DFB-Pokal und rund zwei Wochen vor dem Start der Bundesliga. Dennoch bleibt nicht viel Zeit, um nach Olympia wieder zu Kräften zu kommen oder gar Automatismen mit den Kollegen einzustudieren. Deshalb ist der Schweizer Verzicht auf Xhaka für die Gladbacher auch nur ein kleiner Trost. In Alvaro Dominguez muss der zweite millionenschwere Einkauf der Borussia in London für Spanien ran. Auch der 23-Jährige klagte vor seiner Abreise am Freitag, dass er lieber länger bei seinem neuen Verein trainiert hätte.

Heung Min Son durfte derweil beim Hamburger SV bleiben und reist nicht mit der südkoreanischen Auswahl zu den Sommerspielen. Er wolle sich beim HSV durchsetzen, ließ der 20-Jährige seinen Verband wissen. Aber bei Son spielten wohl auch noch andere Gründe eine Rolle: Die Hamburger reisen vom 16. bis zum 23. Juli durch Südkorea und eröffnen dort mit Sons Vater eine Fußballschule. Da darf das Gesicht des Sohnemanns als Werbefigur und Zugpferd nicht fehlen. Olympia stört da nur.