Otto Rehhagel schwört die Hertha auf das Spiel gegen Hoffenheim mit viel Harmonie ein. (FOTO: DPA)
Der 1. FC Köln steht bereits vor dem Abstiegs-Endspiel gegen Bayern München vor den Scherben einer Saison. Für Hertha BSC wären die Folgen eines zweiten Absturzes innerhalb von zwei Jahren unabsehbar. Im Fernduell kämpfen beide Traditionsvereine am letzten Saison-Spieltag der Fußball-Bundesliga um die letzte Chance, zumindest über zwei Relegationsspiele gegen den Dritten der 2. Liga die Erstklassigkeit zu erhalten. „Für Köln geht es ums Überleben“, brachte David Alaba von Gegner FC Bayern die Situation für den FC auf den Punkt. Es droht der fünfte Abstieg nach 1998, 2002, 2004 und 2006.
Hertha müsste nach 1965, 1980, 1983, 1991 und 2010 sogar schon zum sechsten Mal in die Zweitklassigkeit. Nur ein eigener Sieg gegen 1899 Hoffenheim mit dem ehemaligen Berliner Coach Markus Babbel und ein Kölner Punktverlust gegen den Champions-League-Finalisten Bayern würde der „Alten Dame“ noch die Rettungschance eröffnen. Hertha-Trainer Otto Rehhagel wählte zur mentalen Einstimmung ein Hotel im Berliner Umland. „Ich bin überzeugt, dass alle bereit sind, das Bestmögliche aus sich herauszuholen“, betonte der 73-Jährige, dessen Bilanz mit acht Punkten aus elf Spielen bisher bescheiden ausfällt.
Rehhagel war nach dem unwürdigen Abgang von Babbel und dem misslungenen Kurzversuch mit Michael Skibbe von Hertha als dritter Cheftrainer der Saison geholt worden. In Köln ist das Experiment mit dem Trainer-Manager-Duo Stale Solbakken/Volker Finke gescheitert. Die Fußballer des Bundesliga-Premierenmeisters erwiesen sich mit den Ausnahmen des künftigen Arsenal-Profis Lukas Podolski und von Torhüter Michael Rensing nur bedingt als erstligatauglich. In Berlin ein ähnliches Bild: Torwart Thomas Kraft, Kämpfer Peter Niemeyer und Neu-Kapitän Lewan Kobiaschwili waren auf Dauer zu wenig. Beide Teams stecken in negativen Serien fest. Aus den zurückliegenden acht Partien holten Podolski und Co. zwei Pünktchen - bei einer Trefferbilanz von 6:25. Selbst der Wechsel von Solbakken auf Interimscoach Frank Schaefer brachte keinen Umschwung. Hertha hat sechsmal nacheinander nicht gewonnen. „Wir wollen die Chance greifen, dazu brauchen wir einen Heimsieg, das ist bekannt“, sagte Preetz, der mit einem zweiten Abstieg als Hertha-Manager wieder vor den Scherben seiner bisher glücklosen Arbeit stünde.
Der 48-jährige Schaefer bemühte zuletzt Durchhalteparolen und versuchte, das Team starkzureden. „Absolute Gier zeigen und nicht rumjammern“ - das sind Schäfers Empfehlungen an seine Spieler. Und: „Da müssen Adrenalin und positive Anspannung aufgeladen werden.“ Die Bayern indes sind nicht gewillt, vor dem Pokalfinale gegen Meister Dortmund und dem Champions-League-Hit gegen Chelsea auch nur ein Jota nachzulassen. „Wir nehmen das Spiel seriös und wollen gewinnen“, kündigte Franck Ribéry an.
Berlin macht nochmals mobil für Erstliga-Fußball in der deutschen Hauptstadt. „Abgerechnet wird zum Schluss“, erklärte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit: „Berlin steht zu Hertha!“ Auch die Hertha-Profis selbst hatten sich in einem offenen Aufruf nochmals an alle Anhänger gewandt. „Uns ist völlig klar, dass wir in vielen Spielen in dieser Saison absolute Scheiße gespielt haben und Euch damit oft tief enttäuscht haben“, heißt es in dem offenen Brief, der von Kapitän Lewan Kobiaschwili unterzeichnet und in einigen Berliner Tageszeitungen im Wortlaut abgedruckt wurde. Gern denkt Schaefer an den 5. Februar 2011. Damals siegten seine Kölner gegen die Bayern 3:2. „Das kann die Mannschaft, das hat sie gezeigt“, erinnerte Schaefer an diesen Erfolg. Der ehemalige Bayern-Schlussmann Rensing hofft darauf, „dass die Hertha nicht gewinnt und wir zu Hause einen raushauen. Dann ist alles möglich.“
Doch was kommt, wenn alles unmöglich wird? Zwar ist der FC seit der Wahl des neuen Präsidiums in diesem Bereich wieder handlungsfähig. Aber ohne neuen Trainer und ohne neuen Sportdirektor sind aktuelle Entscheidungen über die Neugestaltung des Profikaders, ob für die 1. oder die 2. Liga, nicht umsetzbar. Planungssicherheit besteht nur bei den auf zwölf Millionen Euro geschätzten Einnahmen durch den Podolski-Transfer. Diese Summe soll in „die Qualität der Profimannschaft sowie in die Nachwuchsförderung“ investiert werden, wie Claus Horstmann als Vorsitzender der FC-Geschäftsführung sagte.