Bundesliga: Aufstiege, Ausraster, Abschiede

07.05.2012 20:49 Uhr | Aktualisiert 07.05.2012 21:07 Uhr
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Mit Raúl (l.) und Michael Ballack

Mit Raúl (l.) und Michael Ballack verlassen zwei international erfahrene Spieler die Bundesliga. (FOTO: IMAGO)

Von Christian Elsaesser
18 Teams, 34 Spieltage, 306 Spiele. Die Bundesliga-Saison 2011/2012 ist Geschichte. Die MZ blickt noch einmal zurück und kürt die Tops und Flops der abgelaufenen Spielzeit.
Halle (Saale)/MZ. 

18 Teams, 34 Spieltage, 306 Spiele. Die Bundesliga-Saison 2011 / 2012 ist Geschichte. Die MZ blickt noch einmal zurück und kürt die Tops und Flops der abgelaufenen Spielzeit.

Spieler der Saison:

Nehmen wir einen potenziellen Abstiegskandidaten, der nur durch einen scheinbaren Irrtum des Fußball-Gottes in der Vorsaison die Klasse gehalten hat, und lassen diesen Verein nun also konsequent in Richtung Champions League marschieren. Und nun nehmen wir den Spieler, der aus dieser Überraschungs-Mannschaft noch einmal deutlich hervorsticht. Dann sind wir bei Marco Reus, der dem Spiel von Borussia Mönchengladbach den Stempel aufgedrückt hat. So sehr, dass Borussia Dortmund 17 Millionen Euro auf den Tisch legt, um den Mann zurückzukaufen, der dem Verein in der eigenen Jugend einst durch die Lappen gegangen war.

Trainer der Saison:

Wer diese Frage mit nur einem Namen beantworten kann, möge vortreten. Natürlich ist da Lucien Favre. Der Mann, der Borussia Mönchengladbach, den abgeschlagenen Tabellenletzten der Saison 2010 / 2011 erst rettet, um ihn ein Jahr später in die Champions-League-Qualifikation zu führen. Wem das mit einem so jungen Team gelingt, dem gebührt der Ritterschlag. Dumm nur, dass da jetzt auch noch Christian Streich ist. Und damit wir nicht in Konflikte geraten, gibt es für den einfach eine weitere Kategorie.

Retter der Saison:

Mal ehrlich: Wenn ein Tabellenletzter im Winter seinen einzigen Star-Spieler verkauft, den Trainer feuert und fünf Spielern, darunter seinem Kapitän, den Laufpass gibt, was ist dann noch zu erwarten? Mit Sicherheit nicht Platz sieben in der Rückrundentabelle. Dass Christian Streich das mit einem Team von Namenlosen aus dem eigenen Nachwuchs geschafft hat, ist eine echte Marke. Ein gesetzter Absteiger, der noch die Klasse hält. Nicht dass das im nächsten Jahr noch in der Champions-League-Qualifikation endet.

Absteiger der Saison

Das Urteil ist vielleicht nicht ganz fair, denn der Titel geht immerhin an einen deutschen Meister. Doch dass Lucas Barrios vom unumstrittenen Nummer-eins-Angreifer bei Borussia Dortmund zum Bankdrücker abgestiegen ist, lässt sich an den blanken Einsatzzeiten ablesen. Nur drei Mal in der Startelf, nur 426 Spielminuten in der Saison. Selten hatte eine Verletzung zu Saisonbeginn wohl so gravierende Konsequenzen für einen Fußballer. Nun flüchtet der Edel-Reservist nach China. Sein neuer Arbeitgeber ist Guangzhou Evergrande.

Missmanager der Saison

Drei Trainer in einer Saison haben ja schon einige Manager durchgebracht. Dass ein Aufsteiger wie Hertha aber auf Platz elf einen Coach rausschmeißt, weil Manager und Trainer einen kindergartenreifen "Du-lügst-nein-du-lügst-Streit" aufführen, ist schon beispiellos. Michael Preetz wirkte fortan wie die wandelnde Ratlosigkeit, wie die personifizierte Überforderung. Und wenn man es dann noch schafft, statt öffentlich Auskunft zu geben, lieber auf der Homepage ein Interview mit sich selbst veröffentlicht, dann ist das Bild abgerundet. Egal, ob die Relegation den Abstieg oder Klassenerhalt bringen wird: Es bleibt das große Mysterium, warum der Verein Hertha BSC an seinem Manager festhält.

Absturz der Saison:

Die Fallhöhe für den 1. FC Kaiserslautern war gewaltig: Platz sieben im Vorjahr, nun abgeschlagen auf Platz 18. Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob die Pfälzer in dieser Saison unter Wert geschlagen wurden oder im Jahr davor weit über ihren Möglichkeiten abgeschnitten hatten. Wie auch immer: Der Absturz wurde herrlich ausgeschmückt mit einem unwürdigen Possenspiel um Trainer Marco Kurz. Erst verlängerte Manager Stefan Kuntz medienträchtig den Vertrag. Die klare Botschaft: In Kaiserslautern geht es um die Langfristigkeit. Dann schmiss er Kurz doch noch raus. Die klare Botschaft: Nirgendwo gelten Verträge so wenig wie in Kaiserslautern.

Aussteiger der Saison:

Es gibt diese Kunst, zu gehen, bevor man gegangen wird. Michael Ballack, der die Bundesliga in Richtung USA verlassen wird, hat diese wieder nicht beherrscht. Sein Abrutschen ins zweite Glied in Leverkusen unter Trainer Robin Dutt war wieder von Misstönen begleitet. So wie zuvor bei Trainer Jupp Heynckes, so wie beim Bundestrainer Joachim Löw. Doch können so viele Trainer am Ende irren, dass es sportlich nicht mehr reicht?

Raúl war auf Schalke dagegen noch erste Wahl. Und weil er weiß, dass das wohl auch nicht mehr ewig so sein wird, weil er weiß, dass er seinen Zenit überschritten hat, geht er, solange er noch geliebt wird. Die Fans auf Schalke haben geweint, er selbst hat geweint. Mit Raúl verlässt einer der wenigen Weltstars die Bundesliga.

Ausraster der Saison

Eigentlich traurig, dass einem da gleich einige einfallen. Jermaine Jones, der im DFB-Pokal mit Absicht auf den verletzten Fuß von Marco Reus tritt. Paolo Guerrero, der versucht, die Karriere von Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler mit einem gezielten Sprung in die Kniekehle zu beenden. Und Franck Ribéry, der in der Halbzeitpause der Champions-League-Halbfinals des FC Bayern gegen Real Madrid seinem Mitspieler Arjen Robben ein Veilchen verpasst. Wer kann bei so viel Auswahl schon richtig entscheiden?

Spruch der Saison:

Die Akustik-Affäre von Hoffenheim ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Weil Dortmunder Fans immer wieder ausfällig werden gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, werden sie im Stadion mit dumpfen Klängen beschallt. Doch Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Die spätere Antwort auf einem Spruchband: "Dietmar Hopp, du Sohn einer Hupe!"