Bundesliga-Relegation: Prügel und Beleidigungen

18.05.2012 09:15 Uhr | Aktualisiert 21.05.2012 09:47 Uhr
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Polizeiaufgebot

Polizisten versuchen die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. (FOTO: DPA)

Sechseinhalb Stunden hatte es gedauert bis zur Entscheidung. Doch diese Entscheidung war am Ende nicht das Urteil. Um 20 Uhr Freitagabend gab das DFB-Sportgericht bekannt, erst am Montag sein Urteil über das Skandal-Relegationsspiel von Düsseldorf zu fällen.
FRANKFURT (MAIN)/DPA/MZ. 

Zu diesem Zeitpunkt lag bereits ein Verhandlungsmarathon hinter allen Beteiligten, eine aufwühlende Sitzung, in der teilweise erschreckende Details über die Vorgänge rund um die Partie vom Dienstagabend zutage gefördert wurden.

Hertha BSC hatte Einspruch gegen die Wertung des Relegationsrückspiels bei Fortuna Düsseldorf (2:2) eingelegt und will am Grünen Tisch noch den Bundesliga-Abstieg verhindern. Die Partie musste in der Nachspielzeit für 21 Minuten unterbrochen werden, da Tausende von Fortuna-Fans in Vorfreude auf die Aufstiegsfeierlichkeiten den Innenraum gestürmt hatten.

Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz sprach am Freitag von einem "ungeheuren Zeitdruck" angesichts der Tatsache, dass die Bundesliga-Saison eigentlich längst abgeschlossen sei. Dennoch könnte sich das Verfahren noch weit in die nächste Woche hineinziehen. Denn beide Klubs können nach einem Urteil in erster Instanz noch vor das DFB-Bundesgericht ziehen.

Schlimme Beleidigungen

Hauptzeuge während der Verhandlung in der DFB-Zentrale in Frankfurt (Main) war Schiedsrichter Wolfgang Stark. Er erhob in seiner Aussage schwere Vorwürfe gegen die Berliner. "Der Spieler Kobiaschwili hat mit ausgestrecktem Arm, mit der Faust in meine Richtung geschlagen. Ich duckte mich kurz ab und wurde am Hinterkopf getroffen", sagte der WM-Referee. Wenn er sich nicht an einem Geländer hätte festhalten können, wäre er fünf bis sechs Meter die Treppe hinuntergestürzt. Assistent Mike Pickel und der vierte Offizielle, Markus Wingenbach, bestätigten den Vorfall, der auch für Hertha-Trainer Otto Rehhagel pikant ist. Er hatte den georgischen Profi zuletzt verteidigt mit den Worten: "Kobiaschwili ist der fairste Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg."

Stark berichtete indes von weiteren Übergriffen. Vier bis fünf Berliner Profis hätten versucht, die Schiedsrichter-Kabine zu stürmen. So habe ihn Christian Lell am Arm gepackt. Beleidigungen wie "Du feige Sau!" und "Du feiges Schwein!" seien gefallen. Andre Mijatovic habe ihn als "Wichser" bezeichnet. "Ich hatte Angst nach dem Spiel und ich war den Tränen nahe. So was habe ich in meiner Schiedsrichter-Laufbahn noch nicht erlebt", sagte Stark.

Ermittlungen gegen Spieler

Gegen Kobiaschwili, Lell, Thomas Kraft und Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet, ebenso gegen Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz. Er soll nach dem Abpfiff im Innenraum ein bengalisches Feuer in der Hand gehalten haben. Doch darüber wurde am Freitag nicht verhandelt, wie Lorenz erklärte. Diese Verfahren sollen nächste Woche stattfinden. Dabei müssen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC auch wegen der Zuschauerausschreitungen und bengalischen Feuern während der Partie mit empfindlichen Strafen rechnen.

Stark schilderte detailliert, was in der 21-minütigen Unterbrechung in der Nachspielzeit passierte. In der Kabine nahm er telefonisch Kontakt zur Einsatzleitung der Polizei auf. Nach etwa zehn Minuten habe er die Information erhalten, die Situation draußen sei absolut unter Kontrolle. Auf die Frage von Hertha-Manager Michael Preetz, ob er die Sicherheit der Spieler garantieren könne, habe er geantwortet: "Das kann ich nicht, das ist nicht Aufgabe des Schiedsrichters, das kann nur die Polizei."

Stark betonte ausdrücklich, er sei von niemandem gezwungen worden, das Spiel fortzusetzen. Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt hatte nach dem Skandalspiel gesagt, die Partie sei auf Anraten der Polizei fortgesetzt worden, um "ein Blutbad" zu verhindern.

Nicht mehr an Fußball zu denken

Berlins Torwart Kraft äußerte sich als Zeuge zu der schlagzeilenträchtigen Partie, nahm aber von seinem Recht Gebrauch, sich nicht zu den Vorwürfen zu seiner Person äußern zu müssen. "Keiner war mehr richtig bei der Sache", sagte er zu den 1:33 Minuten, die Stark nach der Unterbrechung noch spielen ließ. Seine Mitspieler Raffael und Ronny hätten Angst gehabt um ihre Familien, die auf der Tribüne saßen. "Für viele war dieses Spiel eigentlich zu Ende." Kraft selbst befürchtete, die Begegnung "nicht mehr verletzungsfrei" beenden zu können. Er habe viele Fans gesehen, "die eine gewisse Aggressivität" ausstrahlten. In der Coaching-Zone, so Co-Trainer Ante Covic, seien auch vermummte Fans gestanden. "Als wir in die Kabine kamen, war keiner in der Lage, an Fußball zu denken", sagte Covic. "Wir fühlten uns nicht sicher."