Bundesliga: Schwarze Wolken über Köln

06.05.2012 22:09 Uhr | Aktualisiert 06.05.2012 22:35 Uhr
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Frank Schaefer

Köln-Trainer Frank Schaefer (FOTO: DPA)

Von Andreas Morbach
Der FC verabschiedet sich mit einem sportlichen Offenbarungseid und randalierenden Anhängern aus der Liga.
Köln/mz. 

Auch am Tag danach gab Köln das angemessene Bild ab: Grau war der Himmel über der Domstadt, es goss in Strömen und trüb waren die Gedanken bei jenem Fußballklub, der seine Gäste stets mit augenzwinkernder Penetranz "in der schönsten Stadt Deutschlands" willkommen heißt. Denn beim 1:4 gegen Bayern München hatte sich der Verein mit einer besonders hässlichen Fratze aus der Bundesliga verabschiedet. Es war der fünfte Abstieg des 1. FC Köln, alle vollbracht seit der Premiere vor 14 Jahren - und es soll einer sein, nach dem beim Geißbockklub kaum ein Stein auf dem anderen bleibt.

"Es wird sehr wichtig sein, dass die Mannschaft ein neues Gesicht bekommt", betonte Interimstrainer Frank Schaefer, der als Bank-Chef nicht mehr zur Verfügung steht. Er ließ durchblicken: "Ich werde sehr stark am Neuaufbau mitarbeiten."

Dieser Neuaufbau hat im Grund ja längst vor dem Abstieg schon begonnen. Sportdirektor Volker Finke war es 10. März entlassen worden, Cheftrainer Stale Solbakken am 12. April, während Präsident Wolfgang Overath seinen Job bereits im November auf einer chaotischen Mitgliederversammlung hingeschmissen hatte. "In der Rückrunde haben wir insbesondere auf dem Platz, aber auch daneben die Form eines Absteigers gezeigt", sagte Geschäftsführer Claus Horstmann. Ein dramatisches Bild, das Krawallmacher auf der Südtribüne nun auch noch auf gespenstische Weise abrundeten.

Kurz vor dem Abpfiff, als Hoffenheim den FC mit dem 2:2-Ausgleich in Berlin noch in die Relegation hätte schießen können, wurden dort die ersten Rauchbomben gezündet.

Wenig später sah es hinter dem Tor von Bayern-Keeper Manuel Neuer aus wie in der Hölle. Der Himmel über Köln-Müngersdorf verdunkelte sich mitten an einem Mai-Nachmittag. Durch den schwarzen Qualm leuchteten rote Bengalos, dumpfe Böller krachten.

Eine explosive Stimmung, die zu eskalieren drohte. Vor beiden Toren zogen Scharen von Polizisten auf, Ordner in knallig orangen Westen bildeten eine weitere Phalanx auf der Mittellinie. Und Schiedsrichter Florian Meyer wies die Spieler an, sofort nach seinem - klugerweise um einige Sekunden vorverlegten - Schlusspfiff den Platz zu verlassen.

"Es ist eine Schande, so etwas gehört nicht ins Stadion", murrte Münchens Mario Gomez, als er ins Stadioninnere geflüchtet war. So wie 19 andere Akteure, Gäste-Coach Jupp Heynckes, Teambetreuer, Masseure und alle Ersatzspieler. "Das war schon ein bisschen unheimlich", fand Teamkollege Thomas Müller. Und Gomez erklärte: "Ich hatte Angst, natürlich. Man weiß ja nicht, was passiert."

Allein ein Kölner Trio harrte noch für ein paar Augenblicke in dem Fußball-Inferno aus: Trainer Schaefer, der Trost spendete. Torwart Michael Rensing, der weinte. Und Lukas Podolski, der mit leerem Blick auf die Haupttribüne starrte. Es war der dritte Abstieg des FC-Idols mit Köln, nach der EM wechselt der Nationalstürmer zum FC Arsenal. "Das ist für mich einer der traurigsten Momente der letzten Jahre. Ich hätte mir einen schöneren Abschied vorgestellt, das muss man erst mal verdauen", sagte Podolski später - als der Einzige unter Kölns Protagonisten, der sich nicht durch den Hinterausgang davon machte.

Der geschlossene Abmarsch durch die Seitentür passte perfekt ins beschämende Gesamtbild der Kölner Mannschaft und ihres Klubs. Großer Klub, ganz klein. "Das ist ein schwarzer Tag für den 1. FC Köln", meinte Schaefer. Pechschwarz, wobei der Verein den Anstrich allein zu verantworten hat. "Bei mir", do der Trainer, "überwiegt das Gefühl, dass es so ein brutal unnötiger Abstieg war. Dass wir ihn mit dieser Kraft, dieser Power, diesem Stadion, diesen Fans, nicht verhindern konnten."

Damit meinte er all jene Fans, die die Kölner Arena nicht in Rauchschwaden gehüllt hatten. Die Gewaltexzesse auf der Südtribüne untermalte der Klub übrigens mit dem Liedchen "En unserem Veedel" von den Bläck Fööss.

Ein durch und durch bizarrer Abstieg - ganz im Stil des 1. FC Köln.