Tormann Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund) küsst den Pokal. (FOTO: DPA)
Der deutsche Meister deklassierte Bayern München beim 5:2 (3:1) im Traum-Finale von Berlin und holte zum ersten Mal seit 1989 auch den DFB-Pokal. Protagonisten des Sieges waren der dreifache Torschütze Robert Lewandowski (45. Minute, 58., 81.) und der überragende Japaner Shinji Kagawa, der das frühe 1:0 (3.) erzielt hatte. Zudem traf Mats Hummels (40.) vom Elfmeterpunkt für die Dortmunder. Arjen Robben (25.) ebenfalls per Strafstoß und Frank Ribery (75.) erzielten die Bayern-Tore.
Dortmund kassierte am Vorabend der großen Meisterfeier in der Heimat nebenbei 6,25 Millionen Euro für den Triumph. Den Bayern bleibt nach der fünften Pleite in Serie gegen den Erzrivalen als letzte Titelchance nur noch das Champions-League-Finale am kommenden Samstag daheim gegen den FC Chelsea.
Viel Prominenz unter den Zuschauern
Schon vor dem Anpfiff herrschte grandiose Stimmung unter den 75.708 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion. Eine Kurve war in Bayern-Rot getaucht, die andere ins Schwarz-Gelb der Borussia. Neben der versammelten deutschen Fußballprominenz saßen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck auf der Tribüne bei einem Spiel, das weltweit in über 150 Länder übertragen wurde. Der begehrte DFB-Pokal wurde vor dem Spiel von Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner ins Stadion getragen.
Im Duell um das Objekt der Begierde hatten beide Teams ihre bestmöglichen Teams auf den Rasenteppich geschickt. Wie erwartet saßen WM-Torschützenkönig Thomas Müller bei den Bayern und Mario Götze beim BVB nur auf der Bank. Die Bayern begannen aggressiv, doch Mario Gomez verstolperte nach zwei Minuten eine Flanke von Kapitän Philipp Lahm. Im Gegenzug fiel dann allerdings das 1:0 für die Dortmunder nach einem katastrophalen Rückpass von Luiz Gustavo. Jakub Blaszczykowski passte nach innen und der vor einem Wechsel nach England stehende Japaner Kagawa brauchte nur noch einzuschieben.
Ferguson sieht starken Kagawa
Sir Alex Ferguson, Teammanager von Manchester United, beobachtete die Galavorstellung des Mittelfeldstrategen auf der Tribüne mit Interesse. Das 0:1 war der Weckruf für den Rekordmeister, der mit wütenden Attacken antwortete. Nach sieben Minuten scheiterte Gomez nach Zuspiel von Arjen Robben am herausstürzenden Roman Weidenfeller, der nach dem Zusammenprall mit dem Bayern-Torjäger minutenlang behandelt werden musste.
Nach 25 Minuten kam es zum zweiten Zusammenprall der beiden Protagonisten, diesmal foulte Weidenfeller Gomez. Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) entschied völlig zurecht auf Elfmeter, der BVB-Keeper war mit Gelb noch gut bedient. Wie beim großen „Meisterschafts-Endspiel“ beider Teams am 11. April trat Arjen Robben an. Damals hatte er das mögliche 1:1 verschenkt, diesmal versenkte er den Ball eiskalt in die rechte untere Ecke.
Weidenfeller ins Krankenhaus
Die Bayern waren die wesentlich aktivere Mannschaft gegen auf Konter bedachte Dortmunder und hatte die besseren Torgelegenheiten. Beim Schuss von Lahm nach starkem Zuspiel von Franck Ribery rettete Ex-Bayer Mats Hummels auf der Linie für den geschlagenen Weidenfeller. Der musste wenig später doch noch ausgewechselt werden und wurde mit starken Schmerzen ins Krankenhaus gefahren.
Mitchell Langerak rückte ins Tor. Der Australier hatte schon beim 3:1-Erfolg der Dortmunder gegen die Bayern am 26. Februar 2011 Glück gebracht. Bayern dominierte, doch die effektiveren Dortmunder trafen und das hatte vor allem etwas mit den eklatanten Abwehrschwächen der Münchner zu tun. Jerome Boateng foulte Blaszczykowski und erneut gab es Strafstoß. Manuel Neuer war am Schuss des Ex-Bayern Hummels dran, doch der Ball flutschte neben den Pfosten ins Netz. Die Bayern waren geschockt und kassierten in der Nachspielzeit sogar noch das 1:3. Nach einem neuerlichen Fauxpas von Boateng passte Kagawa zu Lewandowski und der tunnelte bei seinem Schuss Neuer zu allem Überfluss auch noch.
Dortmunder Fans feiern früh
„Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ schallte es schon zur Pause von den hüpfenden Fans aus der Dortmunder Kurve. Bayern versuchte alles, brachte Müller als zusätzliche Offensivkraft für Luiz Gustavo. Ersatzkeeper Langerak brachte mit einer wilden Rettungsaktion die Chance zum Bayern-Anschlusstreffer nach der Pause, doch Robben und Gomez fanden den Weg ins verwaiste Tor nicht (48.).
Der Rekordmeister musste mehr und mehr seine Abwehr öffnen, was den jetzt stark kombinierenden Dortmundern eine Konterchance nach der anderen eröffnete. Eine davon nutzte Lewandowski nach Zuspiel von Großkreutz zum entscheidenden 4:1, neun Minuten vor dem Schlusspfiff nach einem Fehler von Neuer, der einen Steilpass abfing, aber nicht festhalten konnte, gar zum fünften BVB-Treffer. Ribery hatte kurz zuvor beim 2:4 nach einer feinen Einzelleistung noch einmal seine Klasse aufblitzen lassen, doch an der erst dritten Niederlage im 18. Pokalfinale konnten die „Vize-Bayern“ nichts mehr ändern. In der 69. Minute begann deshalb mit der Einwechslung von Diego Contento schon die Vorbereitung aufs Champions-League-Finale - der ausgewechselte David Alaba ist dort gesperrt.