DFB-Pokal: Munteres Vorgeplänkel

11.05.2012 17:37 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 23:37 Uhr
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Jürgen Klopp und Jupp Heynckes

Getrennt durch den DFB-Pokal: Jürgen Klopp und Jupp Heynckes kämpfen mit ihren Teams heute um die goldene Trophäe. (FOTO: AFP)

Von MAIK ROSNER
Zu viel sollte man von Pressekonferenzen nicht erwarten. Schon gar nicht vor einem Finale zwischen den beiden besten Mannschaften, zu deren Treffen eigentlich längst alles gesagt ist. Und doch hat sich am Freitag im Berliner Olympiastadion durchaus Erheiterndes zugetragen.
BERLIN/MZ. 

Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp wurde zum Beispiel in Anlehnung an Real Madrid und eine Schlagzeile einer Münchner Zeitung mit der Frage konfrontiert, ob er als "La Bestia Biene Maja" seinen Stachel schon geputzt habe? Klopp schaute für einen Moment ungläubig und schmunzelte dann nur: "Gleich die erste Frage und so ein Niveau, ich dachte, so etwas gibt es beim Finale nicht. Kann man das beantworten, ohne jemanden zu beleidigen? Ich glaube nicht."

Vor dem Endspiel um den DFB-Pokal am Samstag in Berlin haben sich Klopp und sein Kapitän Sebastian Kehl genauso wie Bayerns Trainer Jupp Heynckes und Lahm alle Mühe gegeben, sich nicht in die Karten blicken zu lassen. Immerhin gerieten einige Momente so ungewöhnlich wie jener mit dem Stachel, der ja tatsächlich tief sitzt beim FC Bayern nach zuletzt vier Niederlagen und zwei verpassten Meistertiteln gegen den neuen nationalen Hauptkonkurrenten. Eine fünfte Schmach soll nun unbedingt vermieden werden, zumal das Finale ja auch Teil der Vorbereitung auf das große Finale in der Champions League am kommenden Samstag in München gegen den FC Chelsea ist.

"Natürlich kann man das nicht aus den Köpfen der Spieler streichen", räumte Heynckes ein. Dortmund sei zudem als Meister "normalerweise favorisiert. Aber ich bin wie vor Madrid sehr zuversichtlich."

Die unangenehme Rolle dem Gegner zuschieben und sich optimistisch geben - auf Pressekonferenzen ist so etwas Alltag und scheinbar kein Widerspruch. Auch Lahm ist in solchen Aussagen ohne Ecken und Kanten geübt, er kann sie in einem hochoffiziellen Tonfall vortragen und hört sich dann sehr wichtig an. "Wenn man im Finale steht, will man die Titel gewinnen, und wir wollen hier damit anfangen", hat er also gesagt: "Jetzt sind wir so weit, dass die Preise verteilt werden, da muss man da sein." So routiniert stellt sich die Frage nach einer Siegesfeier sowieso nicht. "Über solche Banalitäten spricht man nicht", meinte Heynckes, "das verbietet sich von vornherein" - wegen des anderen Titels, der danach noch für die Bayern in Aussicht steht.

In mehr als 150 Ländern wird das Pokalfinale der beiden besten deutschen Mannschaften übertragen, und die Menschen rund um den Erdball können trotz einiger heiterer Momente ziemlich froh sein, dass beim DFB oder der DFL noch niemand auf die Idee gekommen ist, Pressekonferenzen abseits der Nationalmannschaft als Fernseh-Events zu vermarkten. Wobei: Lustige Momente gab es ja durchaus einige in Berlin.

Welche herausragende Qualität Kollege Klopp denn habe, wurde Heynckes gefragt. "Sehr sprintstark und sprunggewaltig an der Linie", antwortete der 67 Jahre alte Trainer. Und Klopp musste beantworten, ob das deutsche Endspiel mit dem englischen im Londoner Wembley-Stadion vergleichbar sei. "Für mich ist das vergleichbar mit Wembley", sagte der 44-Jährige. "Wir werden so auftreten, als sei es Wembley oder Wimbledon." In letzterem Stadtteil Londons findet das traditionsreichste Tennisturnier der Welt statt.

Sportlich soll es am Samstag ähnlich munter zugehen im Olympiastadion. "Das ist für mich das außergewöhnlichste Spiel in Deutschland", sagte Jürgen Klopp noch. "Ich finde, wir sollten die Gunst der Stunde nutzen."

Als Men in Black mit schwarzen Anzügen und schwarzen Krawatten waren die Dortmunder übrigens vor den Bayern aufs Podium geklettert, Klopp mit, Kehl ohne Jackett. Heynckes und Lahm stießen im feinen, grauen Zwirn hinzu, mit weißem Hemd, Knopf offen. Beide ohne Krawatte, Heynckes mit, Lahm ohne Jackett.

Das Finale soll bunt werden. Und heiter.