DFB-Pokal: Sechstligist trifft auf den VfB Stuttgart

17.08.2012 16:53 Uhr | Aktualisiert 17.08.2012 16:53 Uhr
Ein Ball rauscht ins Netz. (SYMBOLFOTO: DPA) 
Von Nikolaj Stobbe und Jörg Soldwisch
Ehrfurcht oder Taktik: Ex-Profi Frank Rohde bereitet Sechstligist Falkensee-Finkenkrug auf den Pokal-Hit gegen Bundesligist VfB Stuttgart vor und stapelt tief.
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FALKENSEE/SID. 

Frank Rohde ist wieder in seinem Element. „Du musst Tempo machen, Perle“ und „Jetzt spiel kurz, Dicker“, schreit der wortgewaltige Trainer von Falkensee-Finkenkrug über den Platz.

Der frühere DDR-Auswahlspieler und Bundesliga-Profi heizt einem der unterklassigsten Klubs der ersten DFB-Pokalrunde vor dem Hit am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Bundesligist VfB Stuttgart mächtig ein. Rohde war im DDR-Fußball eine große Nummer. Zehn Jahre spielte er für den BFC Dynamo aus Berlin, holte neun Meistertitel und gewann zweimal den Pokal. Er hat viel gesehen und weiß, dass markige Sprüche manchmal ein schmerzliches Echo haben: „Wir sollten uns auf das Spiel einfach freuen. Alles andere ist Dummquatscherei. Und da habe ich keine Lust zu. Ein bisschen bekloppt bin ich, aber nicht ganz bekloppt.“

Rohde kann sich die Sachlichkeit erlauben. Er sitzt beim Brandenburg-Ligist fest im Sattel. Der Einzug in die Hauptrunde durch den Sieg über Drittligist SV Babelsberg hat ihm viel Kredit gebracht. Zudem flossen 100.000 Euro Mehreinnahmen in die Kasse.

„Wir haben unsere Sensation mit dem Sieg über Babelsberg schon geliefert und den Verein gesund gemacht“, sagt der 52-Jährige, der zwischen 1984 und 1989 42 Spiele für die DDR-Auswahl bestritt. Falkensee ist keine Fußball-Hochburg. Hier flippt keiner so schnell aus. In der 30.000-Seelen-Gemeinde leben vor allem zugereiste Neubürger, die nebenan in Berlin ihre Arbeit verrichten und die Tradition des ortsansässigen Vereins nicht nachvollziehen können. Im Ort herrscht keine Pokal-Euphorie, kein Plakat weist auf das Spiel des Jahres hin. Es passt ins Bild, dass man für die Partie am Samstag ins Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion ausweicht.

„Ich hoffe, dass unsere Spieler nicht zu viel Respekt haben“, sagt Rohde, der den VfB noch aus eigenen Bundesliga-Tagen kennt. Nach der Wende setzte „Wuschi“ seine Karriere beim Hamburger SV und Hertha BSC fort. 1993 wurde sein Eigentor sogar zum „Tor des Monats“ gewählt. Rohde fand die Idee aber nicht witzig und ist bislang der einzige Fußballer, der die Ehrung ausschlug. 18 Jahre später nahm er die Plakette dann doch entgegen.

Seine Spieler sehen der Partie am Samstag mit etwas mehr Euphorie entgegen. Torwart Stefan Demuth hat sich viel vorgenommen. „Ich gehe mit dem gleichen Ziel wie immer ins Spiel: Dass ich zu null spiele“, sagte der frühere Keeper von Borussia Dortmund selbstbewusst. Und Feldspieler Özkan Yilmaz will gar einen Sieg nicht ausschließen: „Ein bisschen träumt man schon. Es haben auch andere Vereine gezeigt, dass man Bundesligisten schlagen kann.“ Rohde indes bleibt bescheiden.

Der Vollblut-Trainer musste oft den Klub wechseln und schätzt mittlerweile die Beständigkeit. „Wir wollen in der Brandenburg-Liga bleiben“, lautet sein langfristiges Ziel. Die Mehreinnahmen sollen gut angelegt werden. Teure Spieler für den schnellen Erfolg werden nicht geholt. Auch in Zukunft soll westlich von Spandau „nichts Verrücktes“ passieren, wie Rohde sagt. Und vor allem am Samstag sollen seine Spieler am Boden bleiben: „Sie sollen da rausgehen und ihr Trikot von Falkensee-Finkenkrug mit Stolz tragen.“