Im Viertelfinale spielte Diego (Mitte) mit Atletico gegen Hannover. (FOTO: DAPD)
Keine Frage, dieser Mann ist gereift. Und auch ein bisschen gealtert. Zumindest zeichnen sich bei Diego Ribas da Cunha an der Schläfe schon die ersten grauen Haare ab. Doch wenn der 27-Jährige spricht, dann noch immer mit jener jugendlichen Attitüde, die ihn einst zu einem Markenzeichen der Bundesliga machte.
Wenn Donnerstag die drei spanischen Vereine Atletico Madrid, FC Valencia, Athletic Bilbao und der portugiesische Vertreter Sporting Lissabon die Europa League unter sich ausmachen, vertritt der Brasilianer das letzte deutsche Element - schließlich ist Diego vom VfL Wolfsburg nur an Atletico Madrid ausgeliehen. Die Los Rojiblancos, die Rot-Weißen, die 2010 in Hamburg die Premiere der damals neu gegründeten Europa League gewannen, genießen Donnerstag zuerst Heimrecht gegen Valencia. "Wir müssen uns in einem schwierigen Halbfinale durchsetzen", sagt Diego, "das Duell gegen Valencia wird eine spezielle Angelegenheit."
2009 im Finale gesperrt
An einem Einzug ins Europa-League-Finale am 9. Mai in Bukarest hätte der filigrane Feingeist ein ganz persönliches Interesse. Am 20. Mai 2009 saß Diego als Spielmacher der Bremer auf der Tribüne des Sükrü-Saracoglu-Stadion in Istanbul, als sein Team das letzte Uefa-Cup-Endspiel gegen Schachtjor Donezk mit 1:2 in der Verlängerung verlor. Diego hatte sich im Halbfinale beim Hamburger SV eine Gelb-Sperre eingehandelt. Diese Schmach will er tilgen. "Ich hoffe, dass wir die Europa League gewinnen, aber noch ist es zu früh, daran zu denken."
Die Voraussetzungen sind so schlecht nicht: Seit der Argentinier Diego Simeone kurz vor Weihnachten den Trainerposten übernahm, pflegt der Traditionsverein wieder einen offensiveren Spielstil, der Diego besser zur Geltung kommen lässt: als trickreicher Einfädler hinter den Spitzen. Die Angreifer Adrian Lopez und Radamel Falcao, dank dessen Torjägerqualitäten im Vorjahr der FC Porto die Trophäe gewann, sind Abnehmer für Diego.
Diego fährt immer noch VW
"Man gibt mir das Gefühl, dass ich wichtig bin", erklärt Diego, bei dem der Wohlfühlfaktor wichtig ist. In Madrid hat er sich schnell eingelebt: Mit seiner Frau Bruna und seinem in Wolfsburg geborenen Sohn Davi hat er ein Haus im Westen der Metropole bezogen. Zum nahe gelegenen Trainingsgelände steuert er einen roten Beetle.
Auf diese Weise offen die Verbindung zum größten Autobauer Europas und Finanzier des VfL Wolfsburg aufrechtzuerhalten, kann eine kluge Entscheidung sein. Denn fraglich bleibt, ob Diegos derzeitiger Arbeitgeber ihn kaufen kann und will. Wohl auch deshalb will er von einem endgültigen Zerwürfnis mit Wolfsburg Allmacht Felix Magath nichts wissen. Das Verhältnis sei, so Diego treuherzig, "in Ordnung" und im Sommer alles möglich. Da weiß halt einer, wer ihm bis Vertragsende 2014 kolportierte neun Millionen Euro Jahresgehalt zahlt.
Interessant: Auch der Machthaber in Wolfsburg schließt eine Begnadigung jenes Profis nicht aus, der am letzten Spieltag der vergangenen Saison in höchster Abstiegsnot einen Einsatz verweigerte. So sagte Felix Magath kürzlich: "Seine Situation muss neu bewertet werden. In so einer Form wie im Viertelfinale gegen Hannover ist Diego ein Gewinn für alle Mannschaften."
Atletico Madrid - FC Valencia, Sporting Lissabon - Athletic Bilbao ab 21 Uhr live bei Kabel 1 und Sky