Was für eine Tragik für Arjen Robben. Er hätte die Bayern vor dem Elfmeterschießen und der bitteren Niederlage im Nervenkrimi retten können. Doch der Niederländer versagte. (FOTO: DPA)
Keine Autokorsos, keine Jubelgesänge der FC-Bayern-Fans, kein rot-weißes Fahnenmeer, sondern kollektive Fassungslosigkeit: Stundenlang hatten sich rund 165.000 Bayern-Anhänger am Samstag in Biergärten, der Münchner Fußgängerzone und beim Fanfest im Olympiapark auf das Champions-League-Finale „dahoam“ gegen den FC Chelsea eingestimmt und bei schönem Wetter schon lange vor dem Spiel ein großes Fußballfest gefeiert. Nach dem geplatzten Traum vom Sieg ihrer Mannschaft in der heimischen Arena fiel die geplante rot-weiße Party in der City allerdings aus. Stattdessen zogen feiernde Engländer durch die Straßen und belagerten die „Feiermeile“ Leopoldstraße bis 3.00 Uhr nachts.
Schon seit dem Morgen hatten Bayern-Anhänger Biergärten und Fußgängerzone gefüllt, während sich die englischen Fans laut Polizei rund um den Odeonsplatz gruppierten. „Die Innenstadt war rappelvoll“, sagte Polizeivizepräsident Robert Kopp am Sonntag. Überall prägten rote FC-Bayern-Trikots, Schals und Fahnen das Bild, den ganzen Tag über zogen Fangruppen singend durch die Stadt.
Allein bei den beiden größten Public-Viewing-Stätten im Olympiastadion und auf der Theresienwiese versammelten sich am Abend nahezu 95.000 Menschen, um gemeinsam die Übertragung des Finales aus der Münchner Arena zu verfolgen. Beide Veranstaltungen waren schon seit Tagen ausverkauft. Nach der Niederlage der Bayern im Elfmeterschießen leerten sich beide Veranstaltungsorte schnell. Auf der Theresienwiese flogen laut Polizei Steine gegen die Großleinwand.
Zwtl.: Polizei ist zufrieden
Die Polizei zeigte sich mit dem Verlauf der Fanfeste rund um das Endspiel zufrieden. „Es war sehr viel Arbeit. Aber wir haben erfolgreich größere Auseinandersetzungen, größere Sicherheitsstörungen verhindern können“, sagte Kopp. Einzig das mehrfache Zünden von Pyrotechnik in U-Bahn-Stationen und an den Public-Viewing-Stätten habe die Stimmung aufgeheizt. „Das ist eine gefährliche Unsitte“, werde aber leider zum Trend, sagte Kopp. Zudem sei es an vielen Stellen wegen Überfüllung zu Verkehrsbehinderungen gekommen: „Das war schlicht und ergreifend ein Mengenproblem.“
Laut Polizei feierten die Bayern-Anhänger und die rund 22.000 englischen Fans friedlich und fair miteinander in der Münchner City. „Für die Menge der Leute ist es relativ ruhig verlaufen“, hieß es. „Schließlich haben die Leute gut getrunken tagsüber.“ Auch die Rückreise der Engländer sei unproblematisch gewesen. Für die schnelle Heimreise von rund 5.000 Chelsea-Fans war extra das Nachtflugverbot am Flughafen außer Kraft gesetzt worden. Insgesamt wurden den Angaben zufolge 143 Personen festgenommen - meist wegen „fantypischer Störungen“ wie Sachbeschädigungen, Verstößen gegen das Markengesetz oder gezündeten Rauchbomben.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lobte die Arbeit der Polizei, die mit 2.000 zusätzlichen Einsatzkräften für einen sicheren Verlauf des Finales und der Fanfeste gesorgt habe. Das Sicherheitskonzept sei aufgegangen, sagte der CSU-Politiker. „Das frühzeitige und konsequente Einschreiten gegen Straftäter und Chaoten hat sich bewährt. Das muss die Devise bei allen sportlichen Veranstaltungen sein.“ Dagegen hat das Champions-League-Finale den Münchner Verkehrsbetrieb MVG ans Limit gebracht. „Einen so großen Ansturm von Fahrgästen hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft in der Innenstadt noch nie zu bewältigen“, teilte die MVG mit. Obwohl rund 120 zusätzliche Mitarbeiter und 75 Prozent mehr U-Bahn-Wagen im Einsatz gewesen seien, hätten wegen des Massenandrangs der meist alkoholisierten Fans einige Bahnhöfe etliche Male gesperrt werden müssen. Vor allem der gleichzeitige Transport von über 100.000 Fans zur Allianz-Arena und zum Olympiastadion habe sich als problematisch erwiesen.