Sofort wird David Silva (r) von seinen Teamkollegen umarmt. (FOTO: DPA)
Das Weltmeister-Team von Trainer Vicente del Bosque holte am Sonntag im Endspiel in Kiew den dritten großen Titel in Folge und sorgte damit für ein Novum im Weltfußball. Die vor allem aus Spielern des FC Barcelona und von Real Madrid gebildete Elf ist zudem die erste, die einen EM-Titel verteidigen konnte. Das 4:0 war der höchste Finalsieg der EM-Geschichte.
2008 hatte die Dominanz der „Seleccion“ mit dem EM-Triumph von Wien gegen Deutschland begonnen, 2010 folgte der erstmalige WM-Sieg, in Kiew gelang die Krönung mit dem „Triple“. Spanien zog mit dem dritten EM-Titel nach 1964 und 2008 mit Rekordsieger Deutschland gleich. Del Bosque ist der zweite Trainer nach Helmut Schön, der mit seiner Mannschaft die Welt- und Europameisterschaft gewann.
David Silva (14. Minute), Jordi Alba (41.), Fernando Torres (84.) und Juan Mata (88.) schossen im Olympiastadion vor 64.640 Zuschauern die Tore und beendeten den italienischen Traum von einer Wiederholung des Fußballmärchens bei der WM 2006 und vom zweiten EM-Titel nach 1968. Wie vor sechs Jahren war die „Squadra Azzurra“ auch in dieses Turnier mit großen Problemen ins Turnier gestartet, bevor sie über sich hinauswuchs und im Halbfinale die deutsche Mannschaft ausschaltete.
Italiens Trainer Cesare Prandelli musste seine Startelf schon nach 20 Minuten ändern, als er für den verletzten Giorgio Chiellini in der Abwehr Federico Balzaretti brachte. Mit den Wechseln hatte Italien Pech: Antonio Di Natale, der in der Halbzeit den angeschlagenen Antonio Cassano ablöste, vergab zwei große Chancen zum Anschlusstreffer (46., 51.). Thiago Motta, der für Riccardo Montolivo kam, spielte nur vier Minuten, ehe er sich eine Muskelverletzung am rechten Oberschenkel zuzog und vom Platz getragen wurde. Die Italiener stemmten sich daraufhin 28 Minuten lang in Unterzahl gegen die Niederlage. Doch die Leistung, die sie beim 1:1 gegen Spanien in der Vorrunde geboten hatten, konnten die Azzurri nicht wiederholen.
Den besseren Start hatten die Spanier. Gute Torchancen hatten Sergio Ramos mit einem Kopfball nach einem Eckstoß (7.) und Xavi Hernandez, der nach einem Doppelpass mit Fabregas knapp über das Tor zielte (10.). Danach folgte eine perfekte Kombination des Weltmeisters, die zu schnell war für die Blauweißen. Andres Iniesta durchschnitt die Abwehrreihe mit einem Traumpass auf Fabregas, der sich dribbelnd an der Torauslinie durchsetzte und von rechts flankte. Silva, der nur 1,70 Meter große Spieler von Manchester City, köpfte aus sechs Metern kraftvoll und unhaltbar für Gianluigi Buffon ein (14.).
Die Italiener hatten diesen Weckruf offenbar benötigt, denn dieser erste Rückstand, den sie bei der EM hinnehmen mussten, lockte sie aus der Defensive. Torwart Iker Casillas, der seinen 100. Länderspielsieg feiern konnte, klärte im letzten Moment vor Mario Balotelli, dem wohl ansonsten fast ein ähnliches Kopfballtor gegen Deutschland gelungen wäre (27.). Dann setzte sich sein Sturmkollege Cassano geschickt im Strafraum durch, aber sein Flachschuss war etwas zu schwach (29.). Viel mehr Mühe hatte der Madrilene mit einem harten Schuss von Cassano aus 18 Metern, den er nur mit den Fäusten unkontrolliert abwehren konnte (33.).
Doch das offene Spiel der Azzurri wurde bestraft. Diesmal war es Xavi, der bei einem Konter den genialen Pass schlug. Alba übersprintete vier Italiener, keiner von ihnen nahm sein Tempo auf, und dem 23-Jährigen gelang mit einem Flachschuss beim elften Einsatz sein erstes Länderspieltor, das sicher wichtigste seiner Karriere. Die Partie hatte zumindest in dieser Phase damit fast den Charakter angenommen wie beim Halbfinalsieg, als die Deutschen drängten, aber Italien das zweite Tor erzielte.
Anders als die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) schlugen die Iberer aber ihren Angstgegner Italien, denn es war für sie der erste Erfolg, nachdem sie keines der vorangegangenen sieben Duelle bei WM- oder EM-Endrunden nach 90 oder 120 Minuten gewinnen konnten. In der zweiten Halbzeit hielt Italien bis zum Abgang von Motta mit, hätten sich aber nicht beklagen dürfen, wenn Schiedsrichter Pedro Proenca bei einem Handspiel von Leonardo Bonuuci Elfmeter gepfiffen hätte (50.). Die eingewechselten Torres und Mata schraubten das Ergebnis noch in die verdiente Höhe. Mit dem Schlusspfiff begann die große spanische Fiesta in Kiew.