Hertha BSC: Überforderter Notretter

11.05.2012 22:39 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 23:34 Uhr
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Otto Rehhagel

Zerknirscht schaut Otto Rehhagel zu Boden. (FOTO: REUTERS)

Von Frank Hellmann
Gleich vorne am Eingang der Hertha-Geschäftsstelle liegt fein säuberlich in einem Plexiglas-Regal der Trainingsplan. Besucher, die über den kleinen Zugang an der Hanns-Braun-Straße Einlass finden, lesen auf dem DIN-A4-Zettel schwarz auf weiß, dass sie die nächsten Tage mal wieder nichts erfahren.
Berlin/MZ. 

Hinter Freitag, 11. Mai, Samstag, 12. Mai und Sonntag, 13. Mai steht jeweils "nicht öffentliches Training". Der große Schlagbaum mit Wachhäuschen zum Trainingsterrain bleibt also unten und Otto Rehhagel mit den Profis von Hertha BSC während des Pokalfinales ganz unter sich.

Die Botschaft kann in Berlin keinen mehr überraschen, aber sie wirkt besorgniserregend: Der Hauptstadtklub droht zum sechsten Mal in der Zweitklassigkeit zu verschwinden, aber noch immer tut der 73-jährige Notretter so, als sei die Abschottungspolitik der Weisheit letzter Schluss. Selten klangen die Durchhalteparolen ("Wir müssen die Enttäuschung überwinden") und Ausflüchte ("Jedes dritte Spiel hauen wir uns ein Selbsttor rein") so verzweifelt wie nach dem ersten Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Die 1:2-Heimniederlage hat der Hertha fast alle Hoffnungen geraubt, auch wenn der Altmeister beteuert: "Wir geben noch nicht auf."

Dass eine verlorene Relegation in seiner Trainer-Lebensleistung - neben dem gescheiterten Gastspiel beim FC Bayern - einen zweiten dicken Makel hinterlässt, ahnt Rehhagel - nur zugeben würde er es nie. "Ich weiß, was sie hören wollen", knurrte der gebürtige Essener auf die Frage nach möglichen persönlichen Konsequenzen. "Dienstag nach dem Spiel ist es für mich zu Ende und dann fahre ich in den Urlaub." Die Scherben soll doch bitte Manager Michael Preetz zusammenkehren. Es gibt nicht wenige in der Branche, die hielten einen Abstieg nur für die logische Konsequenz des zuvorderst von Preetz verantworteten Missmanagements mit dem überschätzten Michael Skibbe und dem überforderten Rehhagel.

Wie anfällig das Berliner Ensemble nach zwei Behelfstrainern geworden ist, demonstrierten die Rheinländer in der zweiten Halbzeit im Olympiastadion eindrucksvoll. Ein freches Solo von Thomas Bröker und ein fatales Eigentor von Ramos ließen Berlin trauern und Düsseldorf jubeln. Was spricht da noch für die Hertha? "Wir haben auswärts teilweise besser gespielt", flehte Preetz. "Das letzte Spiel hat eine persönliche Note für mich", sagte der 44-Jährige in Anspielung auf seine Düsseldorfer Vergangenheit. Das Statement könnte auch darin umgedeutet werden, dass nicht nur der Trainer Rehhagel nächste Woche Geschichte ist, sondern auch der Manager Preetz, der Ende Mai auf der Mitgliederversammlung als Protegé von Präsident Werner Gegenbauer kaum zu halten sein dürfte.

Ganz andere Sorgen hatte der Düsseldorfer Vorstandssprecher Peter Frymuth. Er erfuhr davon, dass daheim in der Altstadt schon der Aufstieg begossen würde. Eine Kunde, die bei Norbert Meier reflexartiges Stirnrunzeln auslöste. Seine Warnung: "Es bleibt spannend. Hertha hat sehr gute Fußballer." Wiederholt rückte der Fortuna-Trainer seine Brille zurecht, um solche Botschaften anzubringen: "Die Menschen dürfen feiern, meine Spieler müssen wissen, dass wir noch gar nichts erreicht haben."