Sara Carbonero ist die Freundin von Iker Casillas. (FOTO: DPA)
Wie nah sich die beiden doch selbst bei der Arbeit sind: Immer, wenn Iker Casillas gemeinsam mit seinen stets erstaunlich gut gelaunten Stellvertretern Victor Valdes und Pepe Reina auf den Rasen läuft, um den modellierten Torwartkörper in Schwung zu bringen, steht die strahlende Sara Carbonero im Scheinwerferlicht am Spielfeldrand. Der brünette Blickfang arbeitet für den spanischen Fernsehsender Telecinco. Und im Grunde gibt sie den Hobbyfotografen auf der Haupttribüne stets das erste Motiv. Viele Handykameras fangen die langhaarige Frau vor Anpfiff ein, während die spanischen Schlussleute im Probelauf die ersten Bälle fangen.
Señorita Carbonero ist mittlerweile fester Bestandteil der spanischen Mannschaft, weshalb es nun ein bisschen Aufregung gab, dass die 28-jährige Reporterin wegen des Todes ihres Großvaters die ukrainische Hauptstadt Kiew noch in der Nacht zu Freitag verließ. Keine Sorge: Rechtzeitig zum EM-Endspiel am Sonntag will sie zurück sein, weshalb sich im Olympiastadion wieder jene rührigen Szenen abspielen könnten wie vor zwei Jahren in Johannesburg: Damals küsste der ansonsten so beherrschte Tormann nach dem WM-Triumph seine aparte Lebensgefährtin mit tränenerstickter Stimme vor laufender Kamera - die Bilder bewegten die Fußball-Welt.
Sollte es mit der Verteidigung des EM-Titels in der regulären Spielzeit oder in der Verlängerung klappen, dann hätte der Keeper und Kapitän seinen 100. Länderspielsieg errungen - eine historische Bestmarke. Zudem verteidigt der 31-Jährige in seinem 137. Länderspiel eine beinahe beängstigende Serie: Seit neun K.o.-Begegnungen inklusive dreier Verlängerungen bei WM und EM hält er seinen Kasten sauber. 900 Minuten. Wer Casillas darauf anspricht, bekommt nur einen knappen Kommentar: "Die Spiele sind alle intensiv und schwierig, daher interessiert mich das nicht so sehr."
An Selbstbewusstsein mangelt es ihm allerdings nicht, nur kehrt er seine Selbstüberzeugung nicht so nach außen wie Kollege Sergio Ramos. Der spricht dieser Tage in jedes Mikrofon: "Wir haben den besten Torwart der Welt."
Kaum Schüsse aufs Tor
Bundestorwarttrainer Andreas Köpke sagt, dass sich Manuel Neuer, Gianluigi Buffon und eben Casillas auf einem Niveau bewegen. Überprüfbar ist das nur schwer. Casillas' Kardinalproblem: Es fliegen kaum Bälle auf sein Tor. Selbst im Halbfinale waren es in mehr als zwei Stunden Spielzeit lediglich zwei Schüsse, die zu seiner dann sicheren Beute wurden. Immerhin: Bei hohen Bällen griff der 1,85-Meter-Mann stilsicher ein, auch seine Qualität bei Abschlägen, Abwürfen oder Pässen sind über alle Zweifel erhaben - aber nicht so stilprägend wie die von Neuer.
Casillas agiert dafür stabiler und gibt dafür intern größeren Rückhalt, er garantiert das innere Gleichgewicht. Als "natürlichen Leader" hat ihn Mitspieler Cesc Fabregas vom FC Barcelona wieder gepriesen. Obwohl als gebürtiger Madrilene mit dem Geist der Königlichen vertraut wie kein anderer, weiß Casillas die subtilen Trennlinien zwischen der Real- und Barca-Fraktion bei Bedarf aufzuheben. Immer wenn die aufgeheizte Rivalität aus den Vereinen aufs Nationalteam überschwappt, gibt er zusammen mit Xavi Hernandez den Mittler - mit dem Anführer des FC Barcelona verbindet ihn längst eine innige Freundschaft. Und dass der heutige Nationaltrainer Vicente del Bosque ihn schon als Leiter der Jugendabteilung von Real Madrid erlebte, stärkt ein weiteres wichtiges Binnenverhältnis bei den Spaniern.
"Iker ist der Beckenbauer Spaniens: Was er anfasst, wird zu Gold", sagt der einst von Casillas beerbte Bodo Illgner und erinnert dabei, wie der damals 20-Jährige im Champions-League-Finale 2002 gegen Bayer Leverkusen nach seiner Einwechslung für den verletzten Cesar Sanchez brillierte.
Bodenständiger Typ
So authentisch der vierfache Welttorhüter seinen Job verrichtet gilt er auch als Typ. Bodenständig, aufrichtig, ehrlich. Er stammt aus dem Arbeiterviertel Mostolés. Sein einstiger Leitspruch "Ich bin kein Galáctico, ich bin aus Mostolés" mutierte zum Werbespruch.
Den größten Glamour-Faktor in seinem Privatleben verbreitet seine Verlobte. Wobei ihre Kommentare nicht immer reizend sind: Vor zwei Jahren hatte der Schlussmann mit seinem Klubkollegen Cristiano Ronaldo mal richtig Streit, weil Sara Carbonero den Portugiesen als Egoisten getadelt hatte. Und nach dem Portugal-Spiel im Halbfinale fragte sie nun Andres Iniesta, ob der nicht auch gern einen Elfmeter geschossen hätte - dabei war der als zweiter Schütze an der Reihe.
Nach dem Fauxpas entschuldigte sie sich, sie habe vor Aufregung wohl nicht richtig hingeschaut. Also wohl nur auf ihren Liebsten. Dabei kann ihr Iker Casillas gar nicht mehr entkommen: Die Hochzeit ist nach dem Turnier fix terminiert.