Testspiel gegen Schweiz: Ein Bayern-freier Probelauf

25.05.2012 16:45 Uhr | Aktualisiert 30.05.2012 08:59 Uhr
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Marco Reus, Meust Özil und Julian Draxler

Marco Reus (l.) und Julian Draxler (r.) stehen am Samstag gegen die Schweiz besonders im Fokus. In Abwesenheit der Bayern-Stars werden beide spielen. Mesut Özil (Mitte) ist im Nationalteam ohnehin gesetzt. (FOTO: DPA)

Von Christian Oeynhausen
Das Testspiel am Samstag gegen die Schweiz soll Hinweise geben, welche Spieler zur EM fahren und welche nicht. Am Dienstag sortiert der Bundestrainer aus.
Tourrettes/MZ. 

Lieber ein "Klein-Schweinsteiger" als kein Schweinsteiger, sagt sich Joachim Löw. Und so wird der vom Bundestrainer am Freitag mit diesem Begriff geadelte Dortmunder Ilkay Gündogan auf jeden Fall im Testspiel am Samstag in Basel gegen die Schweiz eine Rolle spielen. Der 21-Jährige darf zur Belohnung für gute Trainingsleistungen an der Seite von Sami Khedira im defensiven Mittelfeld beginnen.

Der große Schweinsteiger und seine sieben Bayern-Kollegen steigen erst am Montag aktiv in die Vorbereitung ein. So gibt es ein Bayern-freies Länderspiel, eine Rarität. In den letzten 50 Jahren kann man die DFB-Auftritte ohne Personal der Roten aus München an den Fingern einer Hand abzählen.

Alle 19 Mann nimmt der Bundestrainer von Südfrankreich aus mit nach Basel. Sechs Wechsel sind möglich. Wenn Löw zwei der drei Torhüter sehen will, kann einer der Feldspieler nicht vorspielen. Was die endgültige Nominierung angeht, ist das Spiel so zu sehen wie die letzte Klausur vor dem Zeugnis: Damit noch alles rauszureißen, ist schwer. "Ich schaue ja auch das Training an. Man kann nicht alles fokussieren auf das, was morgen einer abruft", sagte Löw am Freitag.

Den Gegner, Co-Gastgeber der letzten Euro, aber diesmal nicht für die Endrunde qualifiziert, klassifiziert Löw als "kleines Holland": "Sie sind eine der Mannschaften, die am besten verteidigen können. Sie sind schwer auszuspielen."

Ottmar Hitzfeld, den Schweizer Trainer, mag der Vergleich mit dem deutschen Gruppengegner freuen. Aber nicht nur unter topographischen Gesichtspunkten sorgte Löw mit der Holland-Parallele für Verwunderung, wird doch die Stärke des Mitfavoriten im allgemeinen in der Offensive um Arjen Robben, Klaas-Jan Huntelaar und Wesley Sneijder gesehen. Und große Schwierigkeiten, die niederländische Abwehr auszuspielen, hatten die Deutschen beim 3:0 im November eigentlich nicht.

Wie dem auch sei: Sollte der Abend im St. Jakobs-Park eine eher zähe Nummer werden, hat Löw schon vorgebaut. Die Spieler könnten müde sein: "Wir mussten uns entscheiden: Nehmen wir im Training Rücksicht auf das Schweiz-Spiel oder nicht. Wir haben keine genommen, sondern starke Reize gesetzt. Das könnten sie morgen spüren."

Getestet wird die Haltbarkeit einer zusammengeschusterten Viererkette um Per Mertesacker, der seit dem 11. Februar kein richtiges Spiel mehr bestritten hat. Im Training ist viel gefeilt worden am aggressiven Verteidigen durch eine hoch stehende, sprich früh attackierende Abwehr. Im Angriff steht die Frage nach der Fitness von Miroslav Klose im Mittelpunkt. Im Lauf der Spiels folgt das Experiment mit dem künftigen Dortmunder Marco Reus als einzige Spitze - in Löws Fantasie ein Plan B gegen hüftsteife gegnerische Abwehrkanten.

Die acht Bayern können sich das Ganze entspannt anschauen. Löw stellte am Freitag ihre Euro-Tickets schon aus, falls als gesund sind. Leichte Blessuren von Bastian Schweinsteiger (Wadenmuskulatur) und Jerome Boateng (Knie) seien keine Gefahr. Und aus dem dicken Frust-Ballon nach dem Champions-League-Finale ist Löw zufolge schon die Luft raus. In den letzten Telefonaten hat der Bundestrainer "unglaubliche Vorfreude auf die Nationalmannschaft" gespürt.

Nach dem Spiel von Basel verlässt der DFB-Tross die Schweiz fluchtartig und kehrt über Nizza nach Tourrettes zurück. Am Sonntagmorgen danach werden Hubschrauber das dann um die Bayern bereicherte Team zur Formel 1 nach Monaco fliegen.

Nach dem Training am Pfingstmontag wird Löw seine Kader-Entscheidung treffen und die vier Streichungen vornehmen: "Mit dem Spiel und der Ankunft der Bayern beginnt die heiße Phase. Der Prolog war gelungen, die harten, schwierigen Etappen folgen jetzt."

Das ZDF überträgt das Spiel gegen die Schweiz am Samstagabend ab 18 Uhr.