Überregionale und regionale Tageszeitungen liegen auf einem Stapel übereinander. (FOTO: DPA)
Er beobachte auf allen gesellschaftlichen Ebenen eine Entwertung geistiger Arbeit, sagte er am Donnerstag in einer Videobotschaft zum Auftakt des „Reporter-Workshops“ in Hamburg. Er warnte davor, dass sich in einigen Jahren die Auffassung durchsetzen könnte, dass Texte nichts mehr kosten dürfen und nichts wert seien.
Den Verlagen gehe es gut, aber dies beruhe „auch auf dem Prinzip der Selbstausbeutung“ der Journalisten. Der Redakteur sei vor allem im Onlinebereich zum Fließbandarbeiter geworden: „Wenn wir nicht aufpassen, wird er es noch viel stärker werden“, sagte Schirrmacher. Dann seien im Journalismus keine Überraschungen mehr möglich. Dies müsse bei der Debatte um Paywalls berücksichtigt werden.
Zuvor war bekannt geworden, dass Leser künftig für den Zugriff auf faz.net bezahlen sollen. Die Zeitung will „den Schritt zu einer Bezahlpflicht möglichst bald machen“, kündigte Geschäftsführer Tobias Trevisan im „Wirtschaftsjournalist“ an. Einen genauen Zeitpunkt nannte er allerdings noch nicht.
350 Journalisten debattieren über die Zukunft des Journalismus
Bei der zweitägigen Konferenz im „Spiegel“-Verlagshaus geht es vor allem um die Frage, wie sich Qualitätsjournalismus im Netz finanzieren lässt. Zudem wollen die rund 350 Teilnehmer sich darüber austauschen, wie Zeitungen und Zeitschriften auch künftig genügend Leser finden können. An beiden Tagen sind mehrere Diskussionsrunden und Workshops geplant.
Auf dem Podium debattieren unter anderen Schirrmacher, die Chefredakteure Giovanni di Lorenzo („Zeit“), Georg Mascolo („Spiegel“), Mathias Müller von Blumencron („Spiegel Online“) und Ines Pohl („Tageszeitung“) sowie der Herausgeber der Wochenzeitschrift „Der Freitag“, Jakob Augstein.