Werfen sich mit Energie in den alten Stoff: junge Leipziger (FOTO: CHRISTIAN RUG)
Jetzt haben sich immerhin Studenten und Schüler (der Leipziger Hochschulen für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" und für Technik, Wirtschaft und Kultur, der Uni und des Humboldt Gymnasiums) mit Eifer auf das Rheingold gestürzt und ein Projekt daraus gemacht. Mit mehr als 100 Leuten für knapp 100 Minuten. Im Westwerk, einer Industriehalle in der Karl-Heine Straße, befand sich eine Wagnerbaustelle der besonderen Art. Unbelastet vom Erbe vor Ort - die Geburtsjahrgänge der Mitwirkenden garantieren das. Was man zwar auch hört, denn allzu viele strömende Wotane, geifernde Alberiche oder listige Loges (oder Einspielungen davon) haben vor allem die Jungs (die Mädels schon eher) wohl noch nicht gehört oder sich zum Vorbild erkoren. Wenn Ursula Schönhals ihren kurzen aber wirkungsvollen Auftritt als Erda hat, dann ist das eine Insel der sicheren Intonation, deren Ufer die anderen nicht immer erreichen. Vielleicht auch gar nicht erreichen wollen.
Auch der Einwand, dass die mit Kammerorchester-, Band- und Big-Band Klängen angeschrägte oder durchmischte, gleichwohl immer noch als roter Faden erkennbare Wagnermusik manchmal ziemlich musical-like oder wie Sprechgesang klingt, und die Wagner-Neulinge im Publikum wohl doch Textprobleme gehabt haben werden, verblasst im Angesicht des Eifers, mit dem hier alle bei der Sache sind, sich mit Lust in den alten Stoff werfen, um ihn wie einen von heute zu begreifen. Was ja gerade bei dieser Immobilienbetrugs-, Entführungs- und Diebstahl-Story so schwer nicht ist.
Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Mitteln man eine sinnvolle und durchaus konkurrenzfähige Szene in die Halle zaubern kann. In diesem Raum kann man das kaum besser machen, als es Produktionsleiterin und Regisseurin Anja-Christin Winkler gelungen ist. Ein in Etagen versetztes Walhall-Baugerüst über den von Michael Ellis Ingram straff geführten Musikern, Rhein-Gewoge und Alberich-Verwandlungen auf Monitoren, Nibelheim am anderen Ende und die 250 Zuschauer immer mittenmang. Wotan (Carl Blumenhagen) als Johnny-Depp-Verschnitt im Freizeitlook ist der Bauherr und Clanchef.
Die Schüler vom Humboldt Gymnasium buckeln und kreischen als Nibelungen wie ihre Kollegen vom Fach. Auch Christian Pohlers schlägt aus seinem schmierig wuselnden Loge Kapital.
Bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt der Appetitmacher für die Zuschauer und der Wagnereinstieg für den Nachwuchs bleibt. Und nicht zum Menetekel für eine Wagnerpflege in einer düster dämmernden opernhauslosen Zukunft wird.