ARD: Interne Kritik an Talkrunden nimmt weiter zu

17.06.2012 18:45 Uhr | Aktualisiert 17.06.2012 18:47 Uhr
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Wo bleibt der Talkmaster?

Wo bleibt der Talkmaster? Politiker Peer Steinbrück (links) und Autor Thilo Sarrazin warten auf Günter Jauch. (FOTO: DPA)

Von carsten rave
Die ARD-interne Kritik an den Talks am späten Abend nimmt weiter zu. Nach dem WDR- und dem NDR-Rundfunkrat forderte jetzt auch der ARD-Programmbeirat einen Abbau der Gesprächsrunden, die das Programm von Sonntag bis Donnerstag prägen.
berlin/dpa. 

In einem internen Papier, aus dem das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe zitiert, wird den Talks "Themendoppelungen und -verschleiß" und "Gästedoppelungen- und verschleiß" vorgeworfen.

"In den Sendungen tauchten zunehmend wieder die altbekannten Talkshowgäste auf, die bereits seit mehreren Jahren in den Runden sitzen", hieß es weiter in dem Papier. 38 Personen seien im Zeitraum von September bis April mindestens dreimal zu Gast in den ARD-Talks gewesen. 14 Gäste mindestens viermal. Ursula von der Leyen, Karl Lauterbach, Hans-Ulrich Jörges, Sahra Wagenknecht und Gertrud Höhler waren fünfmal dabei, Heiner Geißler sechsmal.

Rund 40 Prozent der Talkgäste seien Politiker und Journalisten, nur zwei Prozent sind jünger als 30, gerade mal zehn Prozent jünger als 40. Der Beirat forderte die Redaktionen auf, "aktiv nach neuen Gesichtern zu suchen, nach Querdenkern und zum Beispiel Gästen unter 40 Jahren".

Auch die Qualität der Talker nimmt der Programmbeirat, der aus Vertretern der verschiedenen Landesrundfunkanstalten besteht und unter anderem den Programmdirektor Volker Herres berät, ins Visier. Kein gutes Haar lässt das Gremium an Neuzugang Günther Jauch, der am 11. September 2011 den Sonntagssendeplatz um 21.45 Uhr übernahm. Der Moderator betreibe "Stimmungsmache", seine Einspieler mit Passantenbefragungen "gaukeln eine vermeintliche Realität vor." In seinen Fragen nehme er meistens schon die "Antworten vorweg".

Bei Anne Will gebe es immer wieder Sendungen mit wenig Erkenntnisgewinn, hieß es. Sandra Maischberger sollte bei der Auswahl skurriler Gäste darauf achten, keine öffentlich-rechtlichen Grenzen zu überschreiten. "Hart aber fair" mit Frank Plasberg sei zu "soft" geworden. In den vergangenen Wochen hatte bereits der WDR-Rundfunkrat öffentlich über die Talks geklagt.