Leipziger «Herzbrennen» zu Bartóks Erstem Klavierkonzert. (FOTO: BIRKIGT)
Es ist einer von den Ballettabenden, die aus mehreren Teilen bestehen und trotzdem ein Ganzes ergeben. Weil sie einen roten Faden haben, sich auf einem emotionalen Niveau bewegen und durch ihre Präzision und die Symbiose mit der ausgewählten Musik bestechen. Der Leipziger Ballettchef Mario Schröder hat diesmal zwei Stücke seines bewunderten Mentors und Vorgängers Uwe Scholz aus den 90er Jahren einer eigenen Kreation vorangestellt und das Ganze "Herzbrennen" genannt.
Anthony Bramall am Pult (und für die beiden Scholz Stücke die Pianisten Wolfgang Manz und Julia Goldstein-Manz) steuern die Musik live aus dem Graben bei. Zunächst gibt es Béla Bartóks Erstes Klavierkonzert, dann Rachmaninows Suite für zwei Klaviere. Nach der zweiten Pause hat Schröder das mit von Carl Orffs "Catulli Carmina" konfrontiert. Wobei ein solcher Vergleich mittlerweile längst kein Risiko für Schröder ist, denn er ist mit seiner Ballett-Truppe momentan der sicherste Aktivposten der Leipziger Oper und verfügt über eine verlässliche Fangemeinde.
Dem verbalen Bekenntnis zum Vorbild Scholz hält das, was man auf der Bühne dann erlebt durchaus stand. Dass Scholz klarer und formstrenger ist, liegt nicht nur an der musikalischen Vorlage. Hinzu kommt die schlichte Eleganz der dunklen Bühne. Ein rot leuchtender und sich verändernder Riss im Hintergrund und ein sich öffnender senkrechter Spalt reichen, um Atmosphäre zu imaginieren. Die Seitenwände in angedeuteter Schräge begrenzen den leeren Raum und für das Wechselspiel zwischen dem zentralen Paar (Maiko Oishi und Martin Svobodnik) in rot und den im blauen Dress steckenden sechs Paaren des Ensembles. Diese Konstellationen verändern sich ständig, bieten neben der Dynamik der sichtbar gemachten Emotionen auch spielerischen Witz beim männlichen Werben um die Frau. Der Rachmaninov-Teil wirkt im Bühnenbild, den Kostümen und Bewegungen etwas geweitet, reicht von einander abwechselnden Soli bis zu einer elegischen Menage à trois im dritten Satz und wird eingerahmt durch kraftvolle Ensemblebilder im ersten und vierten Satz. Hier dominiert durchweg eine technisch perfekt zelebrierte Formstrenge.
Da verlangte Carl Orffs 1943 in Leipzig uraufgeführte szenische Kantate für Chor, Klaviere und (jede Menge) Schlagwerk "Catulli Carmina" von vornherein nach mehr Ausschweifung und einem anderen Raum. Illia Bukharov (als Catull) umtanzt einen prachtvollen roten Reifrock, aus dem die angebetete Lesbia (Fang Yi Liu) sozusagen erblüht. Für die kraftvoll sinnliche Diktion des Textes und der Musik hat Mario Schröder das Bewegungsgewand für seine Tänzer maßgeschneidert. Kein durch erzählter Abend also, sondern einer, der musikalisch herausfordert. Und der, mit mehr Herzrennen als Herzbrennen, auf das Charisma des Körpers und seiner Lust an der Bewegung setzt. Natürlich alles auf dem hohen tänzerischen Niveau der Leipziger Company!
Nächste Vorstellungen: am Donnerstag 19.30 Uhr, 1. Juli 18 Uhr.