Brandenburg: Plattner wird Kunsthalle nicht in Potsdam errichten

13.06.2012 18:39 Uhr | Aktualisiert 13.06.2012 19:04 Uhr
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Hasso Plattner

Der Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner wollte der Stadt Potsdam ursprünglich eine Kunsthalle stiften. (ARCHIVFOTO: DPA)

Von Georg-Stefan Russew
Kunsthalle kontra altes DDR-Interhotel: Die Kritik einiger Potsdamer war wohl zu viel. Software-Milliardär Plattner zieht sein Millionenprojekt aus der Innenstadt zurück und wechselt an den Jungfernsee.
Potsdam/dpa. 

Der Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner will seine Kunsthalle nicht mehr in Potsdams Mitte errichten. Stattdessen möchte er auf ein Grundstück am Potsdamer Jungfernsee in direkter Nachbarschaft zum SAP-Innovationszentrum ausweichen. „Es hat eine Zahl von Problemen gegeben, die in der Summe dazu geführt haben, einen anderen Standort vorzuschlagen“, erklärte Plattner am Mittwoch per Telefonkonferenz. Das Areal am Jungfernsee gehöre ihm bereits. „Die Stadt müsste nur noch eine Baugenehmigung erteilen“, so der Software-Milliardär weiter. Ein Straßenbahnanschluss sei auch schon versprochen. Parkplätze gebe es in „Hülle und Fülle“.

Ursprünglich wollte Plattner seine Kunsthalle in bester Potsdamer Lage errichten. Dafür sollte ein Hotelkomplex aus DDR-Zeiten gegenüber dem Landtagsneubau am Lustgarten weichen. Doch das habe nicht jedem geschmeckt. „Ich will die Kunsthalle aber nicht gegen den Willen eines einzigen Potsdamers errichten“, begründete er seine Entscheidung.

Plattner hätten Briefe von alteingesessenen Potsdamern erreicht, „die den Abriss des Hotels als Verlust von DDR-Geschichte empfunden haben“. Außerdem hätten Leute gesagt, „dass so ein reicher Pinkel nicht einfach herkommen und irgendetwas hinsetzen kann“. Auch die Kritik des Chefs der Touristik Marketing Potsdam (TMB) Dieter Hütte habe den Mäzen getroffen, dass wertvolle Bettenkapazität verloren ginge. „Ich will mir nicht sagen lassen, dass sich der Plattner an exponierter Stelle ein Mausoleum baut und 50 Menschen verlieren hierdurch ihre Arbeitsplätze. Das brauche ich nicht“, so der Mäzen.

Auch wirtschaftliche Gründe nannte Plattner für seinen Rückzug. Zum einen sei der Grundstückpreis am Lustgarten exorbitant in die Höhe geschnellt. Zum anderen habe die Reederei Weiße Flotte ältere Bauanrechte am Lustgarten. Diesen Stress habe er auf dem Campus Jungfernsee nicht. Möglichen Vorwürfen, dass er in Potsdams Mitte zu früh das Handtuch geworfen habe, begegnete Plattner lässig: „Am 15. Juni wäre eine Frist des Hotelbesitzers abgelaufen. Von daher musste ich jetzt reagieren“, sagte Plattner.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kommentierte den Rückzug vorsichtig: „Ich bedanke mich bei Hasso Plattner dafür, dass er trotz der Diskussionen in den letzten Wochen am Standort Potsdam festhält.“ Deutlicher dagegen die Landtagsfraktion der Bündnisgrünen: „Der Rückzug aus der Innenstadt wäre ein großer Verlust für die Potsdamer Stadtentwicklung.“ Es dürfe nichts unversucht gelassen werden, um in parteiübergreifenden Gesprächen den Standort Lustgarten für die Kunsthalle zu retten, so die kulturpolitische Sprecherin Marie Luise von Halem. Doch Plattner habe sich für den Jungfernsee entschieden. Wenn auch hier nicht, dann gebe es noch andere Orte im Südosten Deutschlands, kommentierte der Mäzen.