Dieter Hildebrandt (ARCHIVFOTO: DDP)
Was ihn jung hält, ist sein wacher Geist. Und die Gnade der Spottlust. Eine Gottesgabe, über die sich mancher auch schon geärgert hat, zumal in Bayern, wo der Mann seit vielen Jahren wohnt und die vielbeschworene Liberalität des Freistaates mit unbefangenster Dreistigkeit immer wieder auf die Probe gestellt hat. Und ein paar Mal ist er deshalb früher auch aus dem Fernsehprogramm gestrichen worden. Diese Zensur-Fälle trägt er wie Orden. Heute wird Dieter Hildebrandt, der Seniorchef des deutschen politischen Kabaretts, 85 Jahre alt. Für alle, die wissen wollen, ob der Münchner Grantler noch Ideen hat, gibt es auf seiner Internetseite die Rubrik "Nachdenkliches und Kalauer". Dort teilt Hildebrandt unter anderem mit, was er über "Neokons", also Neokonservative, zu sagen hat: "Ein Politiker der Mitte ist das, was beim Hotdog das Würstchen ist."
Hildebrandt, am 23. Mai 1927 in Bunzlau (Niederschlesien) geboren, hat als junger Mann noch den ganzen Schrecken des Krieges miterleben müssen. Von einem unglücklichen Jahrgang hat er im MZ-Interview gesprochen: "Da hat man seine Zeit in Uniform verbracht, obwohl man sich in diesem Alter doch verlieben und vor den Mädchen brüsten möchte."
Geht die Rede der Politiker von Heimatliebe und Patriotismus, wird Hildebrandt sehr skeptisch. Er hält das für einen "ziemlich jämmerlichen Versuch", von den anstehenden Problemen abzulenken. Dabei bekennt er sich natürlich zu seiner Heimat, zu München, Berlin und Köln, wo seine Freunde leben. Und zu Görlitz, das er die wunderschönste Stadt der Welt nennt.
All die bitteren, sarkastischen und oft auch zornigen Pointen, die Dieter Hildebrandt im Laufe seiner langen Karriere in seiner unnachahmlichen Art gesprochen, kunstvoll verstottert und halb verschluckt hat, sind letzten Endes als Weckrufe aus purer Nächstenliebe zu verstehen. Schenkelklopfer zu produzieren, wie Comedians es tun, ist nie sein Plan gewesen.
"Lasst euch nicht irre machen, Freunde! Ihr seids schon", ruft Hildebrandt der Gemeinde fröhlich zu. So soll er bleiben, noch viele Jahre lang.