Dirk Zöllner feiert seinen 50. Geburtstag. (FOTO: DAPD)
Dirk Zöllner schminkte sich wild zu Beginn seiner Karriere, die er Anfang der 80er Jahre begann, nachdem er während seiner NVA-Zeit die Liebe zur Musik entdeckt hatte. Und er spielte eine Art Soul-New-Wave: Schwitzig, tanzbar, grell und mit Bläsern angereichert. Neue Töne im Puhdys-Land, die den gebürtigen Berliner schnell nach oben tragen. In seiner gerade vorgelegten Autobiografie "Die fernen Inseln des Glücks" (Neues Leben, 19,95 Euro) beschreibt Dirk Zöllner, der heute seinen 50. Geburtstag feiert, wie ein Popstar in der Arbeiter- und Bauernrepublik lebte: Angehimmelt und von der FDJ gegängelt, mal durch Instrumentenkäufe im Westen verschuldet und mal durch die Kulturförderung so gut finanziert, dass es an Geld nicht mangelte.
Dirk Zöllner geht offenherzig mit seiner Geschichte um. Die Affären, die Alkoholabstürze, die Schreibblockaden und die Kleinkriege mit Mitmusikern - alles muss raus. Der Sänger, der mit der Band Chicorée begann und später Die Zöllner gründete, beschreibt sich selbst als Getriebenen, dem Hits wie "'n Käfer auf'm Blatt" und Frauenherzen gleichermaßen zufliegen. War er dankbar? Nie. Gesteht er das ein? Ja, inzwischen ja. Denn mittlerweile ist das Leben als Musiker nicht einfacher geworden. Der Ruhm ist zurechtgeschrumpft, die Zöllner waren seit 1996 nicht mehr zusammen im Studio, weil sich die große Besetzung einfach nicht rechnete. Erst jetzt, zum Jubiläum der musikalischen Ehe, die Dirk Zöllner vor 25 Jahren mit dem Keyboarder André Gensicke eingegangen war, fährt das renovierte Zoll-Kommando auf dem neuen Album "Uferlos" (Edel) wieder Volldampf auf der Soulschiene. Zwischen Folkore wie in "Russendisko" über die Ballade "Neue Wege", bei der Edo Zanki, Regy Clasen und Xavier Naidoo mitsingen, bis zum samtweichen Sehnen von "Ein Blut", bei dem die Exhallenserin Christiane "Bobo" Hebold als Duettpartnerin brilliert - der Soulvater der DDR ist angelandet an seiner "Insel des Glücks".