Dokudrama: Olympia-Terror von 1972 wird erlebbar

20.07.2012 19:13 Uhr | Aktualisiert 20.07.2012 19:16 Uhr
Drucken per Mail
In Gefahr

In Gefahr: Klaus Bechler (Matthias Koeberlin, rechts) (FOTO: NDR/NICOLAS MAACK)

Von Annabel Trautwein
Das Dokudrama "Vom Traum zum Terror - München 72", zu sehen am Sonntag im Ersten, lässt den Schrecken des Geiseldramas im Olympischen Dorf lebendig werden.
Berlin/Hamburg/Dapd. 

Olympia 1972 in München: 40 Jahre ist es her, dass die Bundesrepublik Deutschland den Spitzensport und sich selbst als neuen, weltoffenen Staat feierte. Doch dann zog Terror ein ins Olympische Dorf. Kurz darauf wurden elf israelische Sportler getötet - vor den Augen deutscher Polizisten. Das Dokudrama "Vom Traum zum Terror - München 72", zu sehen am Sonntag im Ersten, lässt den Schrecken des Geiseldramas lebendig werden.

Die Schüsse auf dem Rollfeld von Fürstenfeldbruck hört Klaus Bechler heute nur noch selten. Damals, mit Anfang 30, träumte der Hubschrauberpilot ständig davon. "Ich hatte immer Angst einzuschlafen", sagt er. Im Film erzählt Bechler, wie ihn die Euphorie der Spiele erfasst hatte, wie er mit der Menge jubelte - bis die israelischen Sportler in ihrem Quartier als Geiseln genommen wurden und schließlich Schüsse fielen, die zwei Sportler töteten. Bechler, Pilot des Bundesgrenzschutzes, übernimmt die Aufgabe, mit seinem Hubschrauber die palästinensischen Attentäter und ihre überlebenden israelischen Geiseln nach Fürstenfeldbruck zu fliegen - den Lauf einer Maschinenpistole im Nacken.

Als die Hubschrauber mit den israelischen Sportlern und den Attentätern auf dem Militärflugplatz in Fürstenfeldbruck bei München landen, spitzt sich das Drama zur Katastrophe zu. Bechler und sein Kollege müssen den Terroristen helfen zu fliehen: Auf dem Rollfeld wartet das von den Palästinensern geforderte Flugzeug. Doch bevor die Maschine abheben kann, eröffnen Scharfschützen der deutschen Polizei das Feuer.

Klaus Bechler, im Film gespielt von Matthias Koeberlin, liegt regungslos auf dem Rollfeld, während um ihn herum Menschen in den Salven der Maschinengewehre sterben. Bereits mit den ersten Schüssen seien die Geiseln in einer der Maschinen getötet worden.

Das Debakel der gescheiterten Geiselbefreiung ist der Höhepunkt einer Reihe von Fehlern eines überforderten Krisenstabs. Angefangen bei dem laxen Sicherheitskonzept der Spiele über den dilettantisch getarnten Versuch eines Zugriffs, dem die Terroristen live im Fernsehen zuschauen konnten, bis hin zu dem Versäumnis, die Zahl der Attentäter nach Fürstenfeldbruck zu melden.

Originale Fernsehbilder, raffiniert geschnitten und kombiniert mit Spielfilmszenen, eine authentische Ausstattung und die ständige Rückkoppelung an die Erinnerung der Zeitzeugen - so vermitteln die Regisseure Marc Brasse und Florian Huber ihrem Publikum Geschichte. Neben Klaus Bechler lassen Hans-Dieter Genscher, Walther Tröger, damals Bürgermeister des Olympischen Dorfs, ebenso wie die Sportlerinnen Heide Rosendahl, Ulrike Meyfarth und Esther Roth-Shachamarow ihre Erinnerungen an das Drama Revue passieren und komplettieren das historische Bild.

"Vom Traum zum Terror - München 72" läuft am Sonntag um 21.45 Uhr im Programm der ARD.