Die deutsche «Spezi-Band» spielt am in Dresden beim Finale des 42. Internationalen Dixieland-Festivals in der Freilichtbühne Junge Garde. (FOTO: DPA)
Beim Internationalen Dixieland Festival in Dresden wird in diesem Jahr erneut mit einer halben Million Besuchern gerechnet. Bestes Wetter zum Finale am Sonntag dürfte die Rechnung der Organisatoren aufgehen lassen. Denn bei der alljährlichen Parade der Jazzer in der Innenstadt säumen regelmäßig Zehntausende Schaulustige die Straßen. Am Vormittag stellten sich zum Abschlusskonzert noch einmal viele Gruppen des 42. Festivaljahrgangs unter freiem Himmel im Großen Garten konzertant vor, darunter die Big Easy Brass Band mit Musikern aus den Niederlanden und Deutschland, die Basement Jazzband aus Dänemark sowie Mysto's Hot Lips aus Schweden.
Auch Wehmut spielte in diesem Jahr mit: Das Festival musste Abschied von seiner Wiege nehmen, denn der 2400 Plätze fassende Kulturpalast steht wegen Umbaus in den kommenden Jahren nicht mehr zur Verfügung. Festivalchef Joachim Schlese erinnerte beim Kehraus mit einer Flaggenparade an die Dixie-Historie des Palastes. 1971 war das Festival hier mit „Bands aus vier sozialistischen Ländern“ - so damals die Werbung - entstanden. Musiker aus der DDR, aus der damaligen Tschechoslowakei sowie aus Ungarn und Polen bildeten 1971 die Jazzwelt in Dresden.
Schlese ließ am Samstag unter dem Jubel der Zuschauer Fahnenträger mit den Flaggen dieser Länder einmarschieren; auch die DDR-Fahne war dabei; ebenso die Flaggen der weiteren 41 Dixie-Nationen, die bei den bisherigen 42 Festivals in Dresden spielten. „Ein Festival aus der Taufe zu heben, ist das eine. Aber es über eine solch lange Zeit am Leben zu erhalten und über die Wende zu retten, ist etwas ganz anderes“, sagte Schlese am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Trotz des Abschieds vom Kulturpalast sei er beim Blick in die Zukunft optimistisch.
Von 2013 an soll das Dixie-Spektakel im Alten Schlachthof seine Hauptbühne haben. Auch neue Spielstätten sollen hinzukommen - etwa das Shopping-Center Centrum-Galerie. Schlese schwebt auch eine „Swingende Straßenbahn“ durch Dresden vor. Er möchte das Festival weiterhin als eine Mischung aus seriösen Konzerten und Volksfest präsentieren. Von insgesamt 170 Stunden Oldtime Jazz waren in diesem Jahr 90 Stunden auf Straßen und Plätzen kostenlos. Die Jazzer musizieren hier auch viel für Kinder und bieten alljährlich eine Show in einem Heim für Behinderte.
Nach Aussage von Schlese sind die Festivals bis 2015 bereits mit Datum und Bands konzipiert. Die Warteliste für einen Auftritt sei lang. Eine Formation aus Australien, die jetzt kurzfristig für 2013 einchecken wollte, habe man „gerade noch so“ 2015 untergebracht. Der Festivalchef ist überzeugt davon, dass dem Oldtime Jazz nicht die Luft ausgeht. Mit drei Nachwuchsbands hätten in diesem Jahr so viele junge Musiker wie noch nie auf der Bühne gestanden. Stilarten wie Boogie Woogie und Blues sollen die Herzen vor allem der Jugend erreichen. Dresden wolle aber auf jeden Fall ein Festival für den traditionellen Jazz bleiben.