Andrea Bergs Eltern hatten einen schweren Autounfall. (FOTO: DPA)
Lena stammelte, René Mariks Maulwurf stotterte und Robbie Williams schwieg: Bei der Verleihung der Echo-Preise in Berlin fehlten am Donnerstagabend manchen Künstlern die Worte, andere Stars konnten vor Freude kaum mit dem Danken aufhören.
Zu ihrer Leistungsschau in den Messehallen unter dem Funkturm bemühte sich die deutsche Musikbranche um Gala-Glamour und etwas Geschichte, blickte auf die Anfänge der Show vor zwei Jahrzehnten zurück und feierte sich selbst mit Veteranen wie Take That, Herbert Grönemeyer, Annette Humpe, Gianna Nannini - und mit Peter Alexander aus dem Jenseits.
Lautstark, schrill, flott - in der Drei-Stunden-Show zog Moderatorin Ina Müller alle Register, sparte nicht an schlüpfrigen Anspielungen ("Ich hoffe, das ist jetzt ihr Hausschlüssel"), spielte mit Kai Pflaume einen Heiratsantrag durch und forderte einen eher zurückhaltenden Robbie Williams heraus, zu ihr aufs Podium zu springen - Zeit zum Innehalten blieb da kaum.
Gefühliger Höhepunkt war die Ehrung von Annette Humpe für ihr Lebenswerk - mit Ideal und ihrer Schwester Inga prägte sie wie kaum eine andere die Neue Deutsche Welle. Sie habe gezeigt, dass man der deutschen Sprache "den klebrigen Beigeschmack" nehmen könne, wie sie Laudator Max Raabe in seiner Liebeserklärung lobte. "Klug, rotzfrech und warm", sei sie, "ein Segen für die deutsche Popmusik". Humpe revanchierte sich mit einer Hymne auf die Hauptstadt - dem alten Ideal-Hit "Ich steh' auf Berlin", den sie mit ihrem Ich+Ich-Partner Adel Tawil sang. Auch sonst war es eine Show der Rückblicke, die Branche schwelgte vor allem in Erinnerungen.
Immer wieder flimmerten Videos aus den ersten Echo-Jahren auf - von den Anfängen, als Harald Schmidt den Toten Hosen eine Silbertrophäe überreichte (und die Düsseldorfer den Preis auf der Bühne in einer Papiertüte verstauten) bis zur tränenreichen Ehrung für den Komponisten Ralph Siegel. Mehr als 450 Preise hat die Phono-Akademie bisher verliehen. Wenig überraschend waren allerdings die beiden Echos für Lena - als Newcomerin und beste Sängerin.
Die junge Frau wirkte ziemlich abgeklärt, von der Aufregung in Oslo war nicht mehr viel zu spüren. "Es ist so schön", sagte sie. "Ich hab' so Herzklopfen und meine Hände zittern." Dann zählte sie Freunde und Förderer auf und besann sich: "Ich hör' jetzt auf, sonst langweile ich Euch alle noch".
Auch die Auszeichnung für die Aachener Band Unheilig war eine klare Sache - als beste deutsche Rockgruppe und für das Album des Jahres. "Ich stehe mit meinen Gefühlen und Gedanken wohl nicht allein", erklärte sich "Der Graf" seinen Erfolg. Preise gingen auch an das Duo Ich + Ich als beste Gruppe national Rock/Pop. Amy MacDonald bedankte sich auf Deutsch als beste internationale Künstlerin und David Garrett erinnerte sich, dass er auch einmal einen Klassik-Preis bekommen hat.
Das Brüder-Duo Die Amigos wurde in der Sparte Volkstümliche Musik geehrt, Andrea Berg bekam ihren sechsten Echo als beste Schlagersängerin. Kurz wurde es dann stiller. Gitte, Götz Alsmann und Till Brönner erinnerten an den jüngst gestorbenen Peter Alexander. Und dann erschien er auf der Leinwand.
Überschattet: Eltern von Andrea Berg verunglückt
Während Andrea Berg am Donnerstag abend in Berlin ihren Echo-Musikpreis in Empfang nahm, sind ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall verunglückt. Das Management von Berg bestätigte der Nachrichtenagentur dpa einen entsprechenden Bericht der «Bild»-Zeitung vom Samstag.
Nach Angaben der Zeitung hatte der Vater der Sängerin am Steuer des Wagens einen Schwächeanfall, woraufhin das Auto in der Nähe von Ludwigsburg von der Fahrbahn geriet und gegen einen Baum prallte. Das Ehepaar sei schwer verletzt in ein Krankenhaus gekommen und Bergs Mutter habe mehrere Knochenbrüche erlitten, berichtet das Blatt weiter.