Ehrung: Königlicher Glanz beim Steiger Award

Uhr | Aktualisiert 18.03.2012 12:14 Uhr
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Silvia, Königin von Schweden

Silvia, Königin von Schweden (r.), erhält bei der Verleihung der "Steiger Awards 2012" von der Unternehmerin Elisabeth "Liz" Mohn ihren Preis ausgehändigt. (FOTO: DAPD)

Wenn der Steiger-Award in der Bochumer Jahrhunderthalle vergeben wird, pilgern Politiker, Künstler und Schauspieler in den Stadtteil Stahlhausen. In diesem Jahr schaute sogar eine Königin vorbei.
Bochum/dapd. 

Einmal im Jahr wird Bochum für einen Abend zum Treffpunkt der Prominenz. Wenn der Steiger-Award in der Bochumer Jahrhunderthalle vergeben wird, pilgern Politiker, Künstler und Schauspieler in den Stadtteil Stahlhausen. In diesem Jahr schaute sogar eine Königin vorbei. Man hätte ein Stecknadel fallen hören können, so ruhig war es in der Bochumer Jahrhunderthalle, als Schwedens Königin Silvia an das Schicksal von ausgebeuteten Kindern in aller Welt erinnerte: „250 Millionen Kinder müssen jeden Tag arbeiten. Ein Prozent von ihnen, 2,5 Millionen, unter Tage“, sagte sie. Wenige Augenblick zuvor hatte Schwedens Monarchin den Steiger Award in der Kategorie „Charity“ entgegen genommen.

Liz Mohn, Aufsichtsratsmitglied des Medienkonzerns Bertelsmann und Vorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, erinnerte in ihrer Laudatio an das weltweite Engagement der in Deutschland als Silvia Sommerlath geborenen Königin für Kinder. Die Geehrte hatte sichtlich gute Laune, war sie doch gerade erst Oma geworden. „Vor ihnen steht die glückliche Großmutter unserer vor drei Wochen geborenen Estelle“, sagte sie.

Zwtl.: Steinkohle im Glas

Silvia Renate, Königin von Schweden, so ihr offizieller Titel, war eine von elf Preisträgern des Steiger-Award. Der Preis wurde vor acht Jahren von dem PR-Unternehmer Sascha Hellen begründet und soll an die Werte erinnern, die traditionell den Bergleuten zugesprochen werden: Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz. Neun der Geehrten nahmen an der Preisverleihung teil, die in Kategorien wie Europa, Sport, Charity und Umwelt vergeben wird: Neben Königin Silvia erhielten Bundespräsident a.D. Horst Köhler, der Designer Wolfgang Joop, die Schauspieler Christine Neubauer, Hannes Jaenicke und Christiane Hörbiger, der Journalist Peter Kloeppel, Dirigent Steven Sloane und Sänger Tim Bendzko einen Steiger-Award: Ein Stück Steinkohle in einer Glaskugel.

Der US-Musiker Lou Reed und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatten ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt. Lou Reed war erkrankt und konnte ein Attest vorlegen, welches es ihm verbot, ein Flugzeug zu besteigen. Der türkische Ministerpräsident war zu den Angehörigen der Opfer des Absturzes eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan geeilt. Unter den 17 Toten befanden sich zwölf Soldaten und fünf Zivilsten, darunter zwei Kinder.

Vermisst wurden beide nicht. Die Geehrten, die Laudatoren und zahlreiche prominente Gäste wie der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, die Schlagersängerin Dunja Reiter und der einstige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers feierten in der Bochumer Jahrhunderthalle, die ein Symbol für den von vielen Rednern beschworenen Strukturwandel des Ruhrgebiets ist: Einst Maschinenhalle des Stahlwerks „Bochumer Verein“ dient sie heute als Kongresszentrum und Veranstaltungshalle.

Zwtl.: Proteste gegen Erdogan

In den Stunden vor Beginn der Veranstaltung hatte es in Bochum mehrere Großdemonstrationen gegeben. Kurden, Aleviten und Armenier gingen auf die Straße, um gegen die Verleihung des Preises an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zu protestieren. Mehr als 23.000 Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt und erinnerten unter anderem an den von Erdogan bis heute bestrittenen Völkermord an den Armeniern. Während des ersten Weltkriegs hatten osmanische Truppen 1,5 Millionen Armenier getötet. Auch die kurzfristige Absage des Deutschlandbesuchs Erdogans änderte nichts an den Protesten.