Eisleben: Vom alltäglichen rechten Terror

02.05.2012 19:31 Uhr | Aktualisiert 02.05.2012 19:36 Uhr
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Leif Scheele (links)

Rechtsfindung: Leif Scheele (links) und Ismael Volk (FOTO: MARKUS SCHOLZ)

Von maria böhme
Am Wochenende feierte die Collage "Furcht und Elend des Dritten Reiches" auf der Studiobühne des Theaters Eisleben Premiere.
eisleben/MZ. 

Grau in grau das Szenenbild, weiß bis tiefschwarz die Denkstrukturen der Protagonisten. Vor dem Hintergrund einer gesichts- und namenlosen Kleinstadt spielen sich sechs verschiedene, voneinander unabhängige Szenen ab. Um einen verratenen, von der SS abtransportierten Nachbarn, ein Kind, das von seinen Eltern der Spitzelei bezichtigt wird, und einen Richter, der bei der Wahrheitsfindung Probleme hat, geht es im Besonderen. Um Alltag im Deutschland der Nationalsozialisten im Allgemeinen.

Am Wochenende feierte die Collage "Furcht und Elend des Dritten Reiches" auf der Studiobühne des Theaters Eisleben Premiere. Den Text, den Bertolt Brecht von 1935 bis 1943 unter Mitarbeit von Margarete Steffin im Exil verfasste, brachte Peter Kube auf die Bühne. Aus den über 20 Szenen der Vorlage löste der Regisseur sechs heraus, die verschiedenste Lebensbereiche wie Wissenschaft, Arbeitswelt und Justiz illustrieren.

Nur gelingt es Kube nicht, die Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen. Unberührt, quasi abgehakt bleibt so ein Stück deutscher Geschichte. Danach wie Extremismus, auch heute noch, entsteht, wird nicht gefragt. Die Darsteller bemühen sich zwar um ein intensives Spiel - vergessen dabei aber häufig, dass Lautstärke nichts mit Tiefgang zu tun hat. Und so endet ein eigentlich brisanter Bilderreigen als ungelenkes, unfreiwillig komisches Volkstheater ohne nennenswertes visuelles Konzept.

Nächste Vorstellungen am 15. Mai und 5. Juni jeweils um 19.30 Uhr.