Fernsehen: Halle ruft die Jugend

22.07.2012 20:29 Uhr | Aktualisiert 22.07.2012 22:56 Uhr
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Kinder beim Fernsehen

Drei Jungs verfolgen in Fan-Trikots ein Spiel ihres Lieblingsvereins. (ARCHIVFOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von kai gauselmann
Nach der MDR-Intendantin Karola Wille hat sich nun auch der MDR-Rundfunkrat als Aufsichtsgremium für einen neuen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal ausgesprochen. Als Standort kommt auch Halle in Frage.
magdeburg/MZ. 

Zunächst müssten sich natürlich die ARD-Intendanten und die Länder auf einen solchen Sender einigen, betonte Stefan Gebhardt, Mitglied des MDR-Rundfunkrates und Landtagsabgeordneter der Linken. "Dann sollte der MDR aber selbstbewusst sein, auf die erfolgreiche Federführung beim Kika verweisen und seinen Hut in den Ring werfen", sagte Gebhardt der MZ. "Zum Beispiel Halle wäre ein prädestinierter Standort für den neuen Sender", so Gebhardt. Für die Saalestadt sprächen die MDR-Hörfunkzentrale mit den beiden Jugendradios Jump und Sputnik sowie dem Mitteldeutschen Multimedia-Zentrum (MMZ).

Das seien gewichtige Argumente, weil der Jugendsender nicht nur Fernsehen machen soll. Der Kanal soll "trimedial" TV, Radio und Internet bespielen und verknüpfen. "Jump und Sputnik haben bereits viel für das Internet entwickelt", so Gebhardt. Unter anderem würden Radio-Konzerte auch im Internet übertragen. Außerdem habe der MDR die jüngsten Zuschauer aller dritten Programme. Was einiges über die ARD aussagt: Der Altersdurchschnitt der MDR-Zuschauer liegt laut Gebhardt bei 61 Jahren.

Der Bedarf für einen Jugendsender sei enorm, so Gebhardt. Etwa im TV-Bereich sind die Öffentlich-Rechtlichen mit dem Kika aus Erfurt sehr erfolgreich - der bindet aber nur Zuschauer bis 13 Jahre. "Danach wandern die zu den Privatsendern ab", so Gebhardt. Der Medienpolitiker geht davon aus, dass der neue Sender keinen Gebührensprung auslöste. Denn im Gegenzug sollten digitale Spartenkanäle wie "EinsPlus" weichen. Auch die Politik macht Druck in Sachen Jugendsender. Sachsen-Anhalts Staatskanzleichef Rainer Robra (CDU), verantwortet die Medienpolitik des Landes. Er hat bereits beim ARD-Programmbeirat klargemacht, die ARD werde "nicht umhinkommen, sowohl ihr Hauptprogramm zu verjüngen als auch eine Entscheidung zu einem trimedialen Jugendkanal zu treffen".

Zur Standortfrage wollte sich Robra auf MZ-Anfrage nicht äußern. Er begrüßte aber "ausdrücklich" den Beschluss des MDR-Rundfunkrates. Sein Kommentar spricht jedoch nicht gegen die künftige Heimstatt der MDR-Hörfunkzentrale. "Aus meiner Sicht ist eine solche trimediale Konzeption eine besondere Herausforderung und Chance für den Hörfunk", so Robra.