Geschichte: «Fokus DDR» - Unbekanntes Disneyland

14.06.2012 21:19 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 21:40 Uhr
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Ikonen der DDR

Auch frühe Ikonen der DDR werden in Berlin gezeigt: Hier ist Stalin (rechts) noch mit von der Klassiker-Partie. (FOTO: SEBASTIAN AHLERS)

Von andreas montag
Im Anbau des Deutschen Historischen Museums Berlin soll die ostdeutsche Republik erklärt werden. Viel abzuholen gibt es nicht in "Fokus DDR".
berlin/MZ. 

Der Titel der Schau ist knackig - und er suggeriert eine Idee: "Fokus DDR". Nur ist es eben, sieht man sich das Ergebnis an, nicht allzu weit her damit. Oder anders gesagt: Die Ausstellungsmacher sind zu kurz gesprungen.

Muss man dann darüber reden? Doch, das muss man. Schon allein deshalb, weil die Gefahr besteht, dass es zu Wiederholungstaten kommt. Immerhin ist der Schauplatz der DDR-Exposition kein beliebiges Feld-, Wald und Wiesenmuseum, sondern das Deutsche Historische Museum in Berlin, gewissermaßen der Platzhirsch in Sachen Deutungsmacht.

Ähnlich fahrlässig, wie man vor drei Jahren im Martin-Gropius-Bau sechzig Jahre deutscher Kunstgeschichte im Wesentlichen unter Ausblendung von Werken aus der DDR präsentiert hat, wird bei "Fokus DDR" nun auf ein kompaktes Angebot von Klischees zurückgegriffen. Ostdeutschland ist Disneyland, in dem jeder seiner Lieblingsikone wiederbegegnen wird: Erich Honeckers Jagdgewehr vielleicht. Oder einem Modell des DDR-Volkswagens "Trabant", den man heute nur noch den Plastikbomber nennt - und der einmal das Sehnsuchtsobjekt zahlloser Bürger im Arbeiter- und Bauernstaat war. Erst träumte man von einem Moped namens "Schwalbe", das unter hippen jungen Leuten heutzutage verdienten Kultstatus erlangt hat und gern gestohlen wird. Dann kam der "Trabant". Und schließlich Mallorca. Aber davon erzählt diese Schau im Anbau des Deutschen Historischen Museums natürlich nichts. Und auch deshalb ist sie ein Ärgernis. Wer sich erhofft, etwas Neues, gar Substanzielles abholen zu können, wird enttäuscht davon ziehen. Nach zehn Minuten hat auch der langsame Betrachter alles gesehen. Freilich kann man einwenden, für Nachgeborene und für ausländische Touristen wäre dieses Angebot genau das richtige: an Marken orientiert, auf den Punkt gebracht, schnell konsumiert.

Doch auch an dieser Philosophie sind Zweifel durchaus angebracht. Die Gestalter der Ausstellung treten zur Erklärung dessen, was sie aus Beständen des eigenen Hauses zusammengetragen haben, zwar die Flucht nach vorn an, aber so recht überzeugen können sie damit nicht. "Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung sind zahlreiche Facetten des Lebens in der DDR kaum noch präsent", heißt es in einem Faltblatt zur Schau, die auf einen Katalog verzichtet.

Deutlich werde der Schwund im Sprachgebrauch: "Sagen SED oder FDJ dem Großteil der deutschen Bevölkerung noch etwas, müssen Begriffe wie EKO, WBS 70 oder ABV schon oft erläutert werden." In diesem Sinne soll "Fokus DDR" wie ein bebildertes "kleines Lexikon der DDR mit ausgewählten Stichworten" wirken.

Falsch ist das sicher nicht, ebensowenig wie die Feststellung, dass vieles von dem, was die DDR im Inneren wie im Äußeren zusammenhielt - und auseinanderriss, inzwischen in den Schatten der Geschichte getreten und oftmals nur noch Gegenstand persönlicher Erinnerungen geblieben ist. Gleichwohl ist es so, dass hier, in der Schau "Fokus DDR", der gut gemeinte Anspruch und die Möglichkeiten weit voneinander entfernt sind. Da helfen auch die routiniert wirkenden Versuche nicht, mit der geballten Präsentation von Büsten der DDR-Hausgötter Marx, Engels und Lenin über einen quasi künstlerischen Zugang zum Thema zu finden, Höhe zu gewinnen und den ideologischen Hintergrund des Landes DDR auszuleuchten.

Die Schaustücke selber, darunter eben Erich Honeckers Jagdrock samt Schießgewehr, Geschirr aus dem abgerissenen Palast der Republik in Ostberlin, Propagandaplakate und Dosen mit Kaffeeersatz der Marker "imnu", formen eben kein Bild. Auch nicht annähernd.

Bis zum 25. November, Berlin, Unter den Linden 2, tägl. 10-18 Uhr, Eintritt 8, erm. 4 Euro, bis 18 Jahre frei.