Händel-Festspiele: Moralische Phantasie über Händel und Ballett pur

10.06.2012 19:55 Uhr | Aktualisiert 10.06.2012 20:04 Uhr
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Hans Rotman

Hans Rotman (rechts) bei der Arbeit (FOTO: ARCHIV/GABRIELE BAERTELS)

Von Manuela Schreiber
Händels Schatten kann sich derzeit niemand in Halle entziehen. Seine Strahlkraft ist ungebrochen. Dass an solcher Popularität mancher bis ins Heute hinein Anteil haben möchte, ist vorstellbar.
Halle (Saale)/MZ. 

Genau diese Idee griffen Regisseurin Almut Fischer und Figurenspieler Georg Jenisch, der den Bau der Puppen besorgte und ebenfalls für Text, Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnete, in ihrer musikalisch-theatralen Performance "Händels Schatten. Ein barockes Fieber" zurück.

Der Ruhm des Puppenspielers P. (Hans Piesbergen) ist lange verblasst. Etwas Neues muss her. Also erschafft er sein Meisterwerk, eine Puppe mit dem Aussehen einer wunderschönen Frau (Lindsay Funchal). Sie beginnt auf magische Weise zu leben. Im großen Saal des neuen theaters singt die Puppe unbekannte Händel-Arien, die dem abgehalfterten Puppenmacher auf die Idee verfallen lassen, Händel ebenfalls aus einer überlebensgroßen Puppe wiedererstehen zu lassen. Damit der ihm eine neue Oper schreibt und ihm zum langersehnten Ruhm verhilft. Der Plan missglückt und in dieses Scheitern hinein taucht als irre Vision der blinde Bach auf - als gesichtslose Puppe in einem Rollstuhl sitzend (Bachs Stimme, Hans Piesbergen). Auch er berichtet von der selbst erfahrenen Unmöglichkeit, Händel zu treffen und belehrt ihn: "Vergessen Sie das Abbild. Es zählt nur der Gedanke, nicht das Wollen." Besonders in dieser Schlüsselszene verwebt der Komponist Hans Rotmann geschickt atmosphärische Klänge, die wie Filmmusik tönen mit Zitaten aus Bachs Werken und schafft interessante musikalische Brückenschläge mit nur drei Musikern an Violine, Tasteninstrumenten und Percussions. Die Stadt Halle ist um ein interessantes Theaterstück reicher, aber ein barockes Fieber oder Feuer war nicht übergesprungen. Was vielleicht der kargen Bühnenausstattung (nur Tisch und Stühle) samt einer kaum genutzten transparenten Bühnenhinterwand geschuldet war.

Kurioserweise war ein ähnlicher Purismus im Ballett "Terpischore" mit Musik von Händel und Zeitgenosse Jean-Féry Rebel am Samstag auf der Bühne des Lauchstädter Goethe-Theaters zu beobachten. Da tönten die Weltklassemusiker der Talens Lyriques unter Christophe Rousset in wunderbar barocker Spielweise. Die vier Sänger, allen voran die fabelhafte Altistin Marianne Beate Klielland, beschworen sangesfreudig Händel in seiner einzigen Ballett-Oper. Die Tänzer der Compagnie Fêtes Galantes boten die barocken Schrittfolgen leichtfüßig dar. Doch es gab keine Handlung, die weiße Bühne war nur ab und an farbig erleuchtet. Und nur die knallbunten Kostüme setzten Akzente. Doch all das reichte nicht für jemanden, der üppigen Augenschmaus und barocke Theatralik erwartet hatte.