Händel-Festspiele: Video-Show zur Auferstehung

04.06.2012 19:25 Uhr | Aktualisiert 04.06.2012 19:29 Uhr
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Händel-Festspiele

Mit Transparenten wird für die Händel-Festspiele in Halle/Saale geworben. (FOTO: DPA)

Von joachim lange
Kobie van Rensburg zaubert in Bad Lauchstädt Paradies wie Hölle virtuell herbei. Vesselina Kasarova begeistert in Halles Marktkirche.
bad lauchstädt/MZ. 

Ein Geheimtipp sind Wolfgang Katschner und seine so schön altmodisch mit "Lautten Compagney" betitelten Virtuosen auf historischen Instrumenten bei den Händelfestspielen schon lange nicht mehr. Seit 1997 sorgen sie mit ihren Auftritten im Goethe-Theater Bad Lauchstädt für Festspielglanz. Der historische Raum und dieses Orchester sind wie füreinander geschaffen! Zarte Töne schweben hier ebenso betörend, wie der Jubel der Bläser oder die Sinnlichkeit der Streicher.

Engel kontra Luzifer

Diesmal stand Kobie van Rensburgs Bühnenfassung von Händels Oratorium "La Resurrezione - Die Auferstehung" auf dem Programm. Der Meister hatte es 1708 für den Ostersonntag in Rom geschrieben, wo man es auch schon szenisch uraufgeführt hat. Nicht zu jedermanns Freude, denn die päpstlichen Sittenwächter erzwangen den Ersatz einer mitwirkenden Sängerin durch einen Kastraten. Im Stück liefern sich ein Engel und Luzifer einen heftigen Kampf um die Vorherrschaft und das letzte Wort in Sachen Welt. Zugleich versuchen Jesus' menschliche Hinterbliebene, Maria Magdalena, Maria Cleofe und sein Jünger Johannes (James Elliott), mit ihrer Trauer fertig zu werden und an die Auferstehung zu glauben. Was im religiösen Sinne als Diskurs über den rechten Glauben angelegt ist, wird hier bewusst geerdet.

Und das mit opulenter Optik, denn der Regisseur steht auch für Bühne und Videos, was in dem Falle tatsächlich gleichrangig ist. Aufgepeppt mit einer Prise Da Vinci Code und abgeschmeckt mit einer Spur Promi-Dinner wird aus dem Erbauungsstück im Handumdrehen eine Theaterherausforderung.

Da steigt ein leibhaftiger Engel (stets betörend gesungen und anmutig verkörpert von Jasmin Hörner) aus himmlischer Höhe bis in die Zuschauerreihen herab. Von dort schleicht sich der Teufel, als zu spät kommende Zuschauerin getarnt, ins Geschehen hinein, um mit Falko Hönischs donnernder Stimmgewalt auf seinen Ansprüchen zu bestehen. Mag sein, dass die Videoshow, die von nun an zwischen ein paar wuchtigen Mauerversatzstücken abläuft, für den einen oder anderen nicht so ganz zum verhandelten religiösen Gegenstand passt. Für sich genommen ist das aber eine Kunstleistung von eigenem Charme. Manchmal faszinierend poetisch - wie bei dem lichtumstrahlten, flatternden Engel, der wie aus anderen Sphären daherkommt.

Verlassenes Doppelbett

Dann wieder verblüffend illusionistisch, wenn sich etwa Magdalena (Susanne Ellen Kirchesch mit viel Verve in der Stimme sowie Leid und Hoffnung in Blick und Geste) in einem Doppelbett wiederfindet, dessen zweite Seite verlassen ist, obwohl sie einfach nur vor einer Projektionswand steht. Oder wenn die beiden außerirdischen Protagonisten um die metaphorische Mauer oder das Licht in der Welt, was hier Videohoheit bedeutet, ringen. Die Visualisierung der Hölle durch eine Unmenge von jeweils separat laufenden elektronischen Ziffernleuchtzeichen hat für Zuschauer aus Halle obendrein den Hintersinn, an das Bühnenbild des hiesigen Nibelungenringes erinnert zu werden. Auch das Spiel mit dem virtuellen Paradies (mit Adam und Eva im nämlichen Kostüm) ist allzu menschlich - zumal, wenn die an sich züchtig auftretende, mit kleinem aber wunderbar timbrierten Mezzo aufwartende Maria Cleofe von Silvia Betrami, ihren Versuch, Adam zu verhüllen, nach einem Blick auf dessen Rückseite noch einmal aufschiebt.

Richtig daneben in den Kitschtopf langt der Video-Pinsel nur mit den Porträts der Komponisten-Genies und einem oberammergau-tauglichen Jesus am Kreuz.

Musikalisch glänzt die Lautten Compagney ohne jeden Abstrich. Bei den Protagonisten ist es etwas differenzierter, doch im Ganzen überzeugend. Szenisch geht die Rechnung des Regisseurs, sich mit dem Opernkomponisten Händel gegen den Oratorienlieferanten gleichen Namens zu verbünden, recht kurzweilig auf.