Eine Krone müssen Könige tragen - komme, was wolle. (FOTO: RENE SCHÄFFER/SCHAUSTELLE)
Theater unter freiem Himmel ist so eine Sache. Die Gestirne sind immer dabei. Sonne und Mond gehen auf und unter Vögel zwitschern, Hubschrauber brummen. Es verlangt vor allem von den Schauspielern einiges an Kraftanstrengung ab, um den Blick der Zuschauer von der Umgebung weg und auf das theatrale Geschehen hin zu lenken. Nicht ohne Grund sind viele Sommertheater-Inszenierungen eher leichte Kost., ohne sich an die Vorgaben des Theatertextes zu halten. Vögel zwitschern, Hubschrauber brummen. Es verlangt vor allem von den Schauspielern einiges an Kraftanstrengung ab, um den Blick der Zuschauer von der Umgebung weg und auf das theatrale Geschehen hin zu lenken. Nicht ohne Grund sind viele Sommertheater-Inszenierungen eher leichte Kost.
Die große Sommertheater-Produktion des Neuen Theaters Halle beschreitet da keine neuen Wege. "Till Eulenspiegel" ist ein munteres Mittelalterspektakel mit opulenten Kostümen, launiger Musik und voller wunderbar überzeichneter Stereotypen: ein schmallippiger, humorloser Geistlicher; hysterische Marktweiber; ein kecker Possenspieler; eine eitle Herzogin; ein machtgeiler Junker und ein Bürgermeister, der so wankelmütig ist wie ein Fähnchen im Wind.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Till Eulenspiegel ist in den Jahren von Reformation und Bauernkrieg durch die Lande gezogen und hat den Reichen und Mächtigen so manchen Streich gespielt. Dafür soll er nun auf dem Marktplatz in Halle gehängt werden. Im Angesicht des Todes erinnert sich der Narr an seine abenteuerliche Reise. Das Ensemble zeigt hier sein solides handwerkliches Können. Ausreißer nach oben oder unten: eher selten. Das Spiel unter freiem Himmel scheint vielen Darstellern eine willkommene Abwechslung zu sein, was sich in der enormen Spielfreude zeigt.
Doch den eigentlichen Coup hat Regisseur Andreas Rehschuh mit der Besetzung des Narren gelandet. Alexander Pensel als Till Eulenspiegel ist eine wahre Freude: kindlich, verspielt und verführerisch. Dem jungen Mann blitzt regelrecht der Schalk aus den Augen. Mit unglaublicher Ausdauer und Energie bespielt er die verschiedenen Ebenen der Bühne, die an zwei Seiten des Hofes an den Häuserwänden angebracht ist. Das Spiel mit dem Raum ist in dieser Produktion wirklich gut gelungen. Eulenspiegel balanciert auf dem Dach, turnt über die Balkone, springt von den Balustraden. Mit seinem Charme und Witz bringt er die Frauen um den Verstand und die Mächtigen in Bedrängnis. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Die Figur des Eulenspiegel ist komplexer. Davon abgesehen, dass er historisch gesehen wohl eher ein derber Typ statt eines sympathischen Witzbolds war, lässt die Regie außer Acht, dass es für einen, der selbst behauptet "nicht in der Welt zu sein", schwer sein muss, ein Teil dieser zu sein. In der Inszenierung sagt er in einem seiner ersten Dialoge, er wolle tot sein.
Das, was der "Eulenspiegel"-Inszenierung an Ernst fehlt, liefert "6 Könige" im Übermaß. Die Koproduktion des Konsortiums Luft und Tiefe, bestehend aus Mitgliedern der Schaustelle Halle, des Theaterschafft Leipzig und des Künstlerhauses Thüringen Kannawurf, hat ein Mammutprojekt zum Gegenstand. Die Inszenierung, die auf der Oberburg Giebichenstein zu sehen ist, bringt große Königsfiguren aus William Shakespeares historischen Dramen auf die Bühne. Auf einem quadratischen Podest, das von drei Seiten vom Publikum umrahmt wird, werden in knapp drei Stunden Richard II., Heinrich IV., Heinrich V., Heinrich VI., Edward IV. und Richard III. wieder zum Leben erweckt.
Ihre inneren und äußeren Kämpfe werden von einem sechsköpfigen Ensemble dargestellt. Jeder darf mal König sein. Doch keiner darf es richtig. Für die Ausgestaltung der Charaktere bleibt in dem Reigen einfach zu wenig Zeit. Ihre Beweggründe und die komplexen historischen Kontexte werden nur angetippt - bleiben teilweise für das Publikum unverständlich.
Offen bleibt die Frage, warum Regisseur Stefan Ebeling, ausgerechnet Shakespeare inszeniert hat. Er tat damit der ausdrucksstarken und mit humoristischem Talent gesegneten Truppe keinen Gefallen. Die Schauspieler, manch origineller Einfall der Regie wie die Verarbeitung von Shakespeares Sonetten zu Songs und die verwunschene Szenerie der Oberburg sind es, die diese Sommertheater-Produktion trotzdem sehenswert machen.
Die nächsten Vorstellungen von "Till Eulenspiegel" im Hof des Neuen Theaters finden heute und am Sonntag jeweils um 20.30 Uhr statt. "6 Könige" läuft heute und Sonntag jeweils um 19.30 Uhr auf der Oberburg Giebichenstein.