Jutta Hoffmann bei einem Besuch im Filmmuseum Wolfen, aufgenommen im März vergangenen Jahres (FOTO: ANDRÉ KEHRER)
Wenn man berühmt ist und einen runden Geburtstag zu feiern hat, wird als Zeichen des Respekts gern ein Buch veröffentlicht: "Jutta Hoffmann. Schauspielerin" heißt eines, das in diesem Jahr im Verlag Das Neue Berlin erschienen ist und im Titel anscheinend alles - aber in Wahrheit natürlich nicht mehr verrät, als dass die Geehrte um ihren Wert weiß. Am Sonntagabend wird sie im Neuen Theater Halle mit dem MZ-Kulturredakteur Andreas Montag über ihre Arbeit und ihr Leben sprechen.
Wer Jutta Hoffmann ist, die in Halle geboren und durch Filme der Defa wie des DDR-Fernsehens bekannt wurde, muss man den meisten Ostlern allerdings nicht erklären. Und im Westen kennen sie immerhin die Theaterfreunde aus den Jahren nach 1980. Damals hatte die Schauspielerin die unfreundliche DDR verlassen und danach an großen Bühnen wie dem Hamburger Schauspielhaus Erfolge gefeiert. Später hat sie in der Hansestadt ihr Wissen um die Kunst als Professorin weitergegeben. Und für vier Folgen ist sie sogar Kriminalkommissarin in der Reihe "Polizeiruf 110" gewesen.
Im vergangenen Frühjahr ist die Hoffmann 70 Jahre alt geworden, womit der Anlass für das Buch endlich enthüllt wäre. Es ist nicht eigentlich eine Autobiografie geworden, sondern vielmehr eine Sammlung von Zeugnissen über die Künstlerin und Geschichten aus ihrem Leben, die gern auch mit Humor und Sinn für Pointen vorgetragen werden. Und stets um größte Genauigkeit bemüht.
So etwa, wenn Jutta Hoffmann gleich zu Beginn von der bestandenen Aufnahmeprüfung an der Leipziger Theaterhochschule berichtet, die ihr dann zunächst doch nichts nützte, weil ihr Vater kein Arbeiter, aber auch kein Intelligenzler - sondern Buchhalter war. Zornbebend soll er dem Direktor der Schule an die Krawatte gegangen sein: "Aber das glaube ich nicht so richtig", wird die Hoffmann im Buch zitiert. Und dabei hört man sie regelrecht sprechen: So bezwingend direkt und rührend charmant wie ein junges Mädchen ist sie in ihren Filmrollen oft gewesen, dafür hat die Defa-Gemeinde sie geliebt.
Und in Venedig gab es 1972 den Preis als Beste Schauspielerin für sie und ihren Part in Egon Günthers Film "Der Dritte". Mit Günther hatte sie zwei Jahre zuvor schon die Arnold-Zweig-Verfilmung "Junge Frau von 1914" gedreht, "Die Schlüssel" (mit Jaecki Schwarz) sollte folgen.
Statt der Leipziger Hochschule war es die in Potsdam-Babelsberg geworden - eine Schule, von der Jutta Hoffmann enttäuscht war: Zu altmodisch akademisch schien ihr das Gelehrte zu sein, lieber wollte sie nach Brechts Art und der seines Theaters, des Berliner Ensembles, spielen. Viel später, im Jahr 2000, hat sie am Deutschen Theater in Berlin die Rosa Luxemburg in Einar Schleefs viel diskutierter Inszenierung "Verratenes Volk" gespielt. Und einen Kritikerpreis dafür erhalten. Viele schöne Zeugnisse hat man der Eigenwilligen für ihr Buch ausgestellt. Am besten von allen hat es vielleicht der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase getroffen: "Sie spielt eine Handlung und keine Meinung, und ein Publikum kann entdecken, was die Fantasie ihm erlaubt. Das halte ich bei der Schauspielerei für die Kunst."
Die Veranstaltung im Saal des Neuen Theaters Halle beginnt am Sonntag um 19.30 Uhr.