Jutta Hoffmann: Immer ein bisschen Glück

07.05.2012 19:39 Uhr | Aktualisiert 07.05.2012 19:43 Uhr
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Jutta Hoffmann

Jutta Hoffmann im Neuen Theater Halle (FOTO: ANDREAS STEDTLER)

Von manuela schreiber
Ein deutscher Star aus Halle-Ammendorf: Die Schauspielerin sprach im Neuen Theater über ihr Leben und ihre Kunst.
Halle (Saale)/MZ. 

Am Anfang des Abends stand ein Film. Formal gesehen ein Amateurfilm wie so viele Familienfilme, die in der Zeit der fünfziger und sechziger Jahre in den Wohnzimmern über die Heimleinwand flimmerten. "Ödes Schkopau" sollte einmal anders gezeigt werden, eine kleine Geschichte von vier jungen Leuten wird erzählt: Zwei Freunde, die sich mit Beharrlichkeit die Freundschaft und Liebe zweier junger Damen erobern.

Eine von ihnen leuchtete schon damals auf diesen wenigen Filmbildern mit ihrem offenen und gleichzeitig verletzlichen Gesicht, den wachen Augen und zarten Lächeln: Jutta Hoffmann, die später zum Gesicht des DDR-Films werden sollte. Eine Frau, die sich nicht anpassen mochte. Nach der Wende 1989 konnte der verbotene Film "Karla" überhaupt erst aufgeführt werden, nun wurden und werden auch andere Filme mit dieser großartigen Schauspielerin wie "Die Schlüssel", "Das Versteck" oder "Geschlossene Gesellschaft" wieder und wieder neu gesehen.

Jutta Hoffmann war am Sonntagabend im Neuen Theater Halle zu Gast, um über ihr Leben und ihre Kunst zu erzählen und wie nebenbei den eben erst im Verlag Das Neue Berlin erschienenen Schwarzweiß-Bildband vorzustellen, der Texte und Fotos, Informatives wie Berührendes über Jutta Hoffmann vereint.

Ganz wie nebenbei ging es dann doch nicht, denn im Laufe des Gespräches mit Andreas Montag von der Mitteldeutschen Zeitung wurden immer wieder auf der riesigen Leinwand Fotos aus dem Buch "Jutta Hoffmann Schauspielerin" eingeblendet, die das jeweilige Gesprächsthema sinnig illustrierten.

Auch wenn der große Saal längst nicht gefüllt war - zu groß für die immer noch zierlich wirkende, immer noch zur Ponyfrisur stehende Schauspielerin war er auf keinen Fall. Der Raum um sie herum schmolz auf ein fast intimes Kammerspiel zwischen Podium und Publikum zusammen, wenn sie auf launig trockene Art Episoden aus ihrem Leben erzählte, die oftmals auch Fünkchen von Tragik enthielten und durch ihr warmherzige Geradlinigkeit um so berührender wirkten.

Jutta Hoffmann ist in Halle-Ammendorf geboren worden und aufgewachsen, später in Schkopau, in Merseburg hat sie das Abitur gemacht. Jenes Filmchen, das den Auftakt zum Abend bot, war erst vor ein paar Wochen per Zufall ans Licht gekommen und genau vor drei Tagen mit Momenten aus der Filmmusik zu "Karla" unterlegt worden. Das genaue Entstehungsdatum ist der Schauspielerin nicht mehr erinnerlich, vielleicht war sie 16 oder 17 Jahre alt .

Dafür ist die Erinnerung an viele ihrer Weggefährten, ihrer Regisseure, Schaupielkollegen, Theatermacher umso intensiver. Von Paul Dessau und Ruth Berghaus in ihrer Zeit am Berliner Ensemble ist die Rede. Von Einar Schleef und den Filmregisseuren Egon Günther und Frank Beyer. Von Theaterpremieren, die beinah zum Skandal gerieten ("Fräulein Julie" 1975 am Berliner Ensemble) oder von den Hintergründen zum erst 1990 uraufgeführten Film "Karla". Immer mit einem schelmischen Blitzen in den Augen und einer Klarheit in den Aussagen, die bis heute erkennen lassen, dass persönliche Überzeugungen kongruent gehen im Leben und künstlerischem Wirken der Jutta Hoffmann, auch wenn zum Verlauf der Dinge "immer ein bisschen Zufall, immer ein bisschen Glück" dazugehörten.

In den letzten Jahren ist es etwas stiller geworden um die große kleine Dame des deutschen Films nach ihren Fernsehrollen beispielsweise im "Polizeiruf 110" und ihrem bisher letzten Kinofilm "Der alte Affe Angst" von 2003. Angebote fürs Inszenieren auf der Theaterbühne nehme sie gern an.

Doch die Traumrolle, für die sie wieder vor die Kamera treten würde, ist nicht in Sicht. Wie die aussehen müsste, war die letzte Frage von Moderator Andreas Montag. "Es müsste eine tolle Geschichte sein, die mit uns, die mit mir etwas zu tun hat." Und diese sind scheinbar so rar, dass Jutta Hoffmann leider nicht mehr präsent ist in Deutschlands Filmlandschaft. Aber das kann sich ja ändern.