Kinostart 12. Juli: «Bis zum Horizont, dann links!»

09.07.2012 16:26 Uhr | Aktualisiert 12.07.2012 08:23 Uhr
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Kinostarts - «Bis zum Horizont, dann links!»

Otto Sander als Herr Tiedgen und Angelica Domröse als Frau Simon in einer Szene des Kinofilm «Bis zum Horizont, dann links!» (FOTO: NEUE VISIONEN FILMVERLEIH)

Von Martin Schwickert
Angelica Domröse und Otto Sander spielen aufmüpfige Senioren, die keine Lust haben, im Altenheim zu versauern.
Halle (Saale)/MZ. 

"Natürlich beginnt für Sie mit dem Eintritt in unsere Seniorenresidenz ein vollkommen neuer Lebensabschnitt" merkt die verständnisvolle Leiterin an. "Der letzte", unterbricht Annegret Simon (Angelica Domröse) die Routine des Aufnahmegesprächs, "es beginnt kein neuer, sondern der letzte Lebensabschnitt." Für die meisten Bewohner ist hier in der Seniorenresidenz "Abendstern" Endstation. Annegrets Sohn geht mit Kind und Kegel als Uno-Mitarbeiter nach New York und da wird die nicht mehr ganz so rüstige Mutter ins Altersheim abgeschoben.

Der grantige Eckehardt Tiedgen (Otto Sander) hat hier längst alle Hoffnung fahren gelassen und flüchtet sich in einen verbitterten Zynismus, während sein neuer Zimmermitbewohner Willy Stronz (Ralf Wolter) seine gute Laune als Dauerprogramm durchspielt.

Als die ganze Seniorengesellschaft an Bord einer JU-52 zu einem Rundflug über Brandenburg ansetzt, schleicht sich Tiedgen ins Cockpit und bedroht den Piloten mit einer geklauten Polizeipistole. Dies sei eine Flugzeugentführung, führt der alte Mann aus, und sie würden jetzt alle zusammen mal schön ans Mittelmeer fliegen. Nach anfänglicher Skepsis freunden sich die meisten Mitreisenden mit dem kriminellen Gedanken an und blühen mit der mediterranen Perspektive vor Augen noch einmal auf.

Bernd Böhlichs "Bis zum Horizont, und dann links" hat eine durchaus originelle Prämisse, aber leider fehlt ihm der dramaturgische Atem, um daraus eine interessante und spannende Geschichte zu entwickeln. Zwar zeigt Böhlich die unerträgliche Stagnation des Seins im Altersheim auf recht plastische Weise, aber nachdem der Film mit dem alten Flugzeug in den Himmel abgehoben hat, verliert er zunehmend seine Orientierung, sucht vergeblich nach einem gelassenen Erzählrhythmus und flüchtet sich am Ende in versöhnliche Nettigkeiten. Immerhin sieht man den Schauspielern gern bei der Arbeit zu. Otto Sander hat einen geradezu theatralen, bitterbösen Monolog über die Abgründe des Alterns, Angelika Domröse ist in ihrer wortkargen Rolle immer noch ein Hingucker. Beide hätten deutlich mehr guten Text verdient, den Böhlichs wenig subtiles Drehbuch, das sich vornehmlich an einfach gestrickten Fernsehformaten orientiert, jedoch leider nicht liefern kann.

Bis zum Horizont, dann links!

Komödie, D 2012, Regie: Bernd Böhlich

fsk: ohne Altersbeschränkung

Der Film startet u. a. im halleschen Kino Lux, Seebener Straße 172.