Sajid, der pubertierende Sohn des pakistanischen Auswanderers George, lernt seine Heimat - und eine Ziege kennen. (FOTO: KOOL FILM)
Vor mittlerweile 13 Jahren mauserte sich "East Is East" zum weltweiten Überraschungshit, nun war es offenbar an der Zeit, an diesen Erfolg noch einmal anzuknüpfen. Und obwohl dem Vorgänger ausgerechnet in Deutschland kein besonders großer Erfolg beschieden war, hat die bereits 2010 gedrehte Fortsetzung mit erheblicher Verspätung nun doch noch ihren Weg in unsere Kinos gefunden.
Wir schreiben mittlerweile nicht mehr wie bei "East is East" das Jahr 1971, sondern sind fünf Jahre weiter in die Zukunft gewandert. Noch immer betreibt der pakistanische Patriarch George (Om Puri) zusammen mit seiner britischen Frau Ella (Linda Bassett) und deren Freundin Annie (Lesley Nicol) eine Imbissbude im kleinen Städtchen Salford. Ihr gemeinsamer Sohn Sajid (Aqib Khan) steckt mitten in der Pubertät und rebelliert kräftig gegen die antiquierten Erziehungsideale seines Vaters. Daher beschließt dieser, mit Sajid nach Pakistan zu fliegen, um dem Jungen dort die guten alten Werte seiner Heimat näher zu bringen.
Dabei trifft George auf die Familie, die er vor 30 Jahren hat sitzen lassen, und die ihn aus diesem Grund nicht gerade mit offenen Armen empfängt. Auch im Dorf hat sein Ansehen unter der arg überstürzten und seiner Sippe gegenüber reichlich herzlosen Auswanderung nach England gelitten, das allgemein respektierte Familienoberhaupt ist George schon lange nicht mehr. Diese bittere Erfahrung muss er machen, als er versucht, für seinen pakistanischen Sohn Maneer (Emil Marwa) eine Frau zu finden und in dieser Angelegenheit bei den Familien des Dorfes vergeblich vorstellig wird. So muss sich der einst so stolze George die schwierige Frage stellen, wo er denn nun eigentlich hingehört: Noch nach Pakistan oder doch schon nach Großbritannien? Oder ist ihm seine Heimat vielleicht irgendwo dazwischen abhanden gekommen?
Ganz anders ergeht es Sajid, der sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten in dem ihm fremden Land einlebt und mit Zaid (Raj Bhansali) sogar einen neuen Freund findet. Zusammen beschließen sie, die Probleme der Erwachsenen auf eigene Faust zu lösen. Und sie haben auch bereits einen Plan, in dem unter anderen die damals populäre griechische Schlagersängerin Nana Mouskouri eine nicht unbedeutende Rolle spielen wird. Die nicht sonderlich einfallsreiche Story um die Frage, was eigentlich Heimat ist, wirkt stets etwas bemüht an die Dramaturgie des ersten Teils angelehnt. Und auch der Humor ist über weite Strecken nicht gerade der frischeste. Zudem benötigt diese märchenhaft angehauchte Cultur-clash-Komödie ein bisschen Zeit zur vollen Charmeentfaltung, unterhält dann aber nicht zuletzt dank ihres spielfreudigen Ensembles sommerlich-unbeschwert.
West Is West
Komödie, GB 2010, Regie: Andy DeEmmony
fsk: ab 6 jahre
Der Film startet u. a. im halleschen Kino Lux, Seebener Str. 172.