Sacha Baron Cohen als «Diktator» bei der Oscar-Verleihung. (FOTO: DPA)
Und die Entscheidung ist durchaus zu begrüßen. Lebte vor allem „Borat“ noch davon, dass Menschen von der Straße mit dem angeblich kasachischen Reporter konfrontiert wurden und dabei einfach nur deren vermeintlich spontane Reaktionen abgefilmt wurden, so wirkte dies schon im Nachfolgefilm „Brüno“, wo Baron Cohen als schwuler, österreichischer Modeexperte zu provozieren suchte, arg bemüht.
„Der Diktator“ ist ein klassischer Spielfilm, in dem der britische Komiker als Machthaber des fiktiven, am Horn von Afrika gelegenen Staates Wadiya auftritt. Mit ihm hat die Weltgemeinschaft wegen seines angeblichen Atomprogramms ein ähnliches Problem wie mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Als Mischung aus dem libyschen Ex-Diktator Gaddafi, dem Syrer Assad und dem verstorbenen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il (dem der Film auch gewidmet ist) unterdrückt General Aladeen sein Volk mit liebevoller Hingabe und hasst nichts mehr als die Demokratie.
Als er vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu seinem Atomprogramm Stellung nehmen soll, reist der Despot mit seinem Hofstaat nach New York. Doch dort wird er schon kurz nach seiner Ankunft gekidnappt. Er kann sich zwar befreien, verliert dabei jedoch seinen markanten Vollbart. Ohne diese prägnante Gesichtsbehaarung und in zerrissener Kleidung wird er nicht mehr als Herrscher erkannt und reiht sich in das Heer der New Yorker Obdachlosen ein.
Da der Sicherheitschef von Wadiya (gespielt von Ben Kingsley) den verschollenen Diktator durch einen ihm ähnlich sehenden Ziegenhirten ersetzt hat, der bereits Reformen angekündigt hat, sieht General Aladeen sein Lebenswerk in Gefahr. Er setzt alles daran, wieder an die Macht zu kommen und findet eine Verbündete in der naiv-gutmütigen Zoey (Anna Faris), die dem gefallenen Diktator in ihrem veganen Bio-Supermarkt Asyl gewährt und einen Job anbietet.
Politische Unkorrektheit bleibt das Markenzeichen von Larry Charles und Sacha Baron Cohen. Ansonsten ist für jeden Geschmack etwas dabei: vom Sexwitz bis zum Slapstick. Nur feinsinnigen Humor wird man vergeblich suchen.
Der Diktator Komödie, USA 2012, Regie: Larry Charles fsk: ab 6 jahre Der Film startet u. a. in The Light Cinemas Halle-Neustadt und im Cineplex Naumburg.