Bruce Willis als Dink und Rebecca Hall als Beth in einer Szene des Films «Lady Vegas». (FOTO: DPA)
Beth ist eine Unschuld vom Land, die es nach Las Vegas verschlägt, wo sie als Serviererin beginnt, aber sich fest vorgenommen hat, es ganz weit zu bringen. Ihren Weg mitten hinein hinter die Kulissen des Glamours, ins schmierige Glücksspielmilieu pflastern hörige Männer und eifersüchtige Frauen. Denn das merkt Beth schnell: Auch das Leben ist ein Glücksspiel.
Der Traum eines ganz normalen Menschen vom großen Glück ist im Kino oft erzählt worden - und immer wieder sieht man es gern. In diesem Fall beruht die Geschichte sogar auf wahren Begebenheiten: Beth Raymers Bestseller „Lay the Favorite: A Memoir of Gambling“ - einer Autobiografie einer jungen Frau im Spielermilieu. Rebecca Hall, die mit Woody Allens „Vicky, Christina, Barcelona“ und Ben Afflecks „The Town“ bekannt wurde, spielt diese Hauptfigur. Auch um den Ort Las Vegas ist es im Kino immer wieder gegangen: Las Vegas ist der perfekte Schauplatz für Dramen aus Liebe, Tod und Zufall. Mit seiner glitzernden Neonkulisse hat Las Vegas wie das Kino das Dunkel nötig, um seine volle Wirkung zu entfalten. Was tagsüber banal, schäbig und immer ein bisschen verkatert anmutet, wird mit Einbruch der Nacht zur Kulisse für Traumspiele aller Art.
Regie führte ein Regieveteran: Stephen Frears, 1941 geboren, 2011 mit dem Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet, ist seit nunmehr 30 Jahren einer der wichtigsten europäischen Regisseure. Filme wie „Mein wunderbarer Waschsalon“ (1985) und „Sammy und Rosie tun es“ (1987), zwei ebenso scharfe wie humorvolle Analysen der britischen Gesellschaft und ihrer Ausgeschlossenen zur Hochzeit der Thatcher-Ära, wurden ebenso internationale Hits, wie Frears erste Hollywood-Arbeit, die historische Romanverfilmung „Gefährliche Liebschaften“ (1988), die als Analyse der sozialen Mechanik einer kalten Oberschicht, der Yuppies des 18. Jahrhunderts, auch einen zeitbezogenen Doppelsinn hatte. Seitdem wechselt Frears zwischen aktuellen Filmen über die britische Gegenwart und gehobenem Hollywood-Entertainment. Mit „The Queen“ gelang Frears 2006 die Verbindung zwischen beiden Seiten.
„Lady Vegas“ ist ein typischer Frears-Film: Warmherzig und witzig, sehr human in seinem unmittelbaren Interesse an Menschen. Selbst die Botox-Zicke, die Catherine Zeta-Jones spielt, kommt freundlich weg. Der Film besticht durch witzige, mitunter selbstironische Auftritte von Darstellergrößen wie Bruce Willis. Die Geschichte selbst ist recht banal: Der erwartbare Aufstieg eines Mädchens mit gutem Zahlengedächtnis in einer Stadt, wo man damit Geld machen kann, und das vor dem Hintergrund des ultimativen Sündenbabels Amerikas, wo man binnen Sekunden vom Niemand zum Millionär werden kann.
Das ist es wohl auch, was Frears interessiert hat: In den besten Momenten des Films zerlegt er den Mythos Las Vegas in seine Einzelteile. Er zeigt die heimliche Klassengesellschaft hinter des Kulissen des Showbusiness: Die Spieler und die Käuflichkeit der Gefühle, die Frauen, die hier vor allem als leichtbekleidete Showgirls und Huren Karriere machen können, die Banken und die Mafia.
Erst das Ende, in dem es zu einer forcierten Liebesgeschichte kommt, und sich allzuviele Probleme in Wohlgefallen auflösen, enttäuscht. Da wird „Lady Vegas“ vom einfühlsamen, oft witzigen Porträt zur Ansammlung von Klischees.
Lady Vegas
Komödie, USA, GB 2012,
Regie: Stephen Frears
FSK: ab 12 Jahre
Der Film startet u. a. im Leipziger Kino Schauburg, Antonienstr. 21.