Das von Bruce Robinson inszenierte Frühwerk Thompsons floppte in den USA. Dabei läuft Depp hier zur Hochform auf.
Paul Kemp (Johnny Depp), seines Zeichens Journalist, mag nicht mehr so recht mitmachen im amerikanischen Gesellschaftssystem Ende der 1950er Jahre. Er bewirbt sich auf einen Job in Puerto Rico und bekommt ihn prompt. Noch sturzbesoffen wacht er in einem Hotel von San Juan auf, mit blutunterlaufenen Augen, die ihn als notorischen Säufer verraten. Sein neuer Chef (Richard Jenkins) warnt ihn. Noch einen Trinker wie den eigentlich genial schreibenden Kollegen Moberg (Giovanni Ribisi) wird er in seiner Redaktion und auf der Gehaltsliste nicht mehr dulden.
Der Fotograf Sala (Michael Rispoli) warnt Paul vor dem Unternehmer Sanderson (Aaron Eckhart), der auf der Insel für seine undurchsichtigen Geschäfte bekannt ist. Doch Paul schaut sich die Sache, lieber selber an und verliebt sich prompt in die Verlobte von Sanderson, Chenault (Amber Heard).
"The Rum Diary" macht aus einem Grund richtig Spaß und das liegt an Johnny Depp. Was im Keim schon wieder gleich erstickt wird, ist die Kritik an dem Geschäftsgebaren der Amerikaner auf Puerto Rico, die nur ihren Profit beim Zubetonieren idyllischer Küsten mit Hotelkomplexen sehen und sich von der armen Bevölkerung der Insel eher belästigt fühlen. Auch die Tatsache, dass die Zeitung, für die Paul schreibt, eigentlich nur noch eine Farce ist, wird heruntergespielt. Das, was das Buch eigentlich ausmacht, wird hier angepasst, um nicht anzuecken. Damit wird man aber dem exzentrischen und genialen Hunter S. Thompson leider nicht gerecht.
The Rum Diary
Drama, USA 2011, Regie: Bruce Robinson
FSK: Ab 12 Jahre
Der Film startet u. a. im Cineplex Naumburg und Cinemaxx Halle.