Kinostart 21. Juni: «W.E.»

18.06.2012 11:48 Uhr | Aktualisiert 21.06.2012 10:13 Uhr
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«W.E.»

Abbie Cornish als Wally Winthrop in New York auf dem Weg zu Sotheby's in einer Szene des Kinofilms «W.E.». (FOTO: DPA)

Von MARTIN SCHWICKERT
Mit ihrer zweiten Regie-Arbeit „W.E.“ blickt Popstar Madonna ins englische Königshaus vor der Zeit von Queen Elizabeth II., die gerade das Jubiläum des 60. Jahrestages der Thronbesteigung feiern konnte.
Berlin/MZ. 

Seit „The King’s Speach“ sind auch die Nachgeborenen mit den Thronfolgeproblemen des britischen Empires am Vorabend des Zweiten Weltkrieges vertraut. Schon nach kurzer Zeit dankte Edward VIII. (James D'Arcy) ab, weil seine Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson (Andrea Riseborough) zur Staatsaffäre hochgekocht war.

Madonnas zweite Regiearbeit „W.E.“ beschäftigt sich mit dem, was damals als skandalöseste Liebesgeschichte des Jahrhunderts gefeiert wurde. Der Verzicht auf den Thron zugunsten einer Beziehung zu einer geschiedenen Frau – das war nicht nur im England der dreißiger Jahre eine äußerst couragierte Entscheidung.

Das ist sicherlich ein viel versprechendes Filmsujet, mit dem man aus der sicheren historischen Distanz heraus über die Radikalität der Liebe, die strukturelle Gewalt des Öffentlichen und das Verhältnis zwischen Privatem und Prominenz nachdenken könnte.

Aber damit gibt sich Madonna leider nicht zufrieden. Krampfhaft um einen gegenwärtigen Zugang zum historischen Stoff bemüht, zieht sie eine zweite Erzählebene ein, auf der im Jahre 1998 die Amerikanerin Wally Winthrop (Abbie Cornish) in einer glücklosen Ehe mit einem trinkfreudigen und gewalttätigen Psychiater (Richard Coyle) gefangen ist. Tag für Tag pilgert sie zum Auktionshaus Sotheby’s, wo gerade der Nachlass von Prinz Edward und Wallis Simpson versteigert wird, und träumt sich in historische Welten. Wer zwei Geschichten in verschiedenen Zeitsträngen erzählen will, sollte sein Handwerk verstehen und auf beiden Ebenen etwas zu sagen haben. Leider trifft weder das Eine noch das Andere auf Madonna und ihren Film zu.

Die Emanzipationsgeschichte einer modernen, von feministischen Errungenschaften vollkommen unbeleckten Frau wird derart bieder erzählt, dass man kaum glauben mag, dass hier eine exzentrische Powerfrau wie Madonna am Werk gewesen sein soll.

Schwerer jedoch wiegt, dass die Regisseurin mit ihrer Ping-Pong- Dramaturgie eine interessante Liebesgeschichte versaubeutelt. „Niemand fragt, was Wallis Simpson für diese Liebe geopfert hat“ sagt Wally irgendwann zum verständnisvoll nickenden Nachlassbesitzer. Genau darüber hätten wir gern einen Film gesehen – einen, der sich nicht in eitlen Posen und teurer Garderobe erschöpft. Einen Film, der ganz anders ist als „W.E.“.