Kinostart 23. August: «Roman Polanski - A Film Memoir»

20.08.2012 16:19 Uhr | Aktualisiert 23.08.2012 08:37 Uhr
Welch ein Leben! Polanski in der Dokumentation «Roman Polanski - A Film Memoir». (FOTO: DPA) 
Von Rüdiger Suchsland
„Tanz der Vampire“ von 1967 ist wohl sein erfolgreichster Film, der zudem in seiner Mischung aus Horror und Komödie am besten das Kinoschaffen von Roman Polanski repräsentiert. Man möchte kaum glauben, dass er nächstes Jahr schon 80 wird.
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Berlin/MZ. 

Noch immer hat sich Roman Polanski nicht nur äußerlich - lange Haare, federnder Gang - etwas Jugendliches bewahrt. „Ich bin noch nicht fertig“, erklärte er erst kürzlich.

Ihn fasziniert die dunkle Seite des Lebens, und doch möchte er nie vergessen, dass es immer auch im Dunklen das Helle gibt. Sogar seinem Holocaust-Drama „Der Pianist“ kann man das ansehen.

Laurent Bouzereaus Dokumentarfilm entstand, als sich Polanski nach dem US-Auslieferungsantrag im Schweizer Hausarrest befand. Interviewt wurde er vom Produzenten Andrew Braunsberg, einem engen Freund. So ist dies auch kein sonderlich kritisches Porträt eines Regisseurs, der seine ganz persönlichen Abgründe hat.

Aber auf seine Weise erzählt der Franzose doch eine ganze Menge über Mensch und Werk. Polanski erscheint als Regisseur, der eher den Teufel sucht als Gott. Kurz nach seinem größten Kassenerfolg, „Rosemaries Baby“ (1968) holte der Horror Polanski persönlich ein - mit der Ermordung seiner schwangeren Frau Sharon Tate durch die „Manson Family“ 1969. Vieles spricht dafür, dass Polanski dieses Erlebnis nicht verwunden hat.

Vermutlich galt schon immer, dass man seine Kunst als Kampf ums Überleben verstehen muss. Polanski, 1933 als Sohn polnischer Juden in Paris geboren, entkam der Schoa nur, indem er die Familie im Ghetto von Krakau zurückließ. Die Mutter wurde in Auschwitz ermordet. 1962 emigrierte er aus dem kommunistischen Polen nach Frankreich, wo er wieder seit 1977 lebt – aus den USA floh er nach Vorwürfen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen. 2009 holten sie ihn ein: mit der Verfolgung durch die US-Behörden. Erstmals entschuldigt Polanski sich hier öffentlich bei dem seinerzeit 13-jährigen Mädchen.

Im Film erscheint Polanski als sensibler und verletzlicher Mensch. Bei wenigen Regisseuren, das macht dieser hervorragende Dokumentarfilm deutlich, liegen die Bezüge zwischen Biografie und Werk so auf der Hand wie bei Polanski. Dennoch sollte man sich vor voreiligen Schlüssen hüten. Polanski hat fast alle Genres erprobt. Thriller liegen ihm inzwischen, seit er sich von den absurden Komödien verabschiedete, offenbar am meisten. Welches ist sein bester Film? Vielleicht „Chinatown“, weil er dort die Eleganz der Form auf die Spitze treibt und am Ende persönlich wird: in der Anteilnahme für einen unperfekten Menschen. Bis hin zum „Pianist“ ist Polanskis Werk von Empathie ebenso geprägt wie von Distanz zu Erlösungsangeboten. Dafür kann man erfahren, was es bedeuten kann, in der Unsicherheit zu leben.

"Roman Polanski - A Film Memoir"

Dokumentarfilm, GB 2011,

Regie: Laurent Bouzereau

FSK: ab 12 Jahre

Der Film startet u. a. im Lux -Kino am Zoo, Halle, Seebener Str. 172.