Edward Norton als Scout Master Ward im Kinofilm «Moonrise Kingdom» (FOTO: DPA)
Auch in "Moonrise Kingdom" zeichnet der US-Regisseur ("Die Royal Tenenbaums", "Der fantastische Mr. Fox") dieses Figurenschema nach.
Es war der Eröffnungsfilm bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes, der uns wieder in eine Anderson-typische Welt voll verschrobenem Humor entführt: Auf einer kleinen Insel vor Neuengland findet ein Sommercamp statt, aus dem sich der zwölfjährige Pfadfinder Sam (Jared Gilman) davonstiehlt, um mit seiner Freundin Suzy (Kara Hayward) durchzubrennen.
Darüber haben sie vorher einen geheimen Pakt geschlossen. Und den beiden gelingt es, sehr geschickt ihre Spuren zu verwischen, so dass Sheriff Sharp (Bruce Willis), der Chef der lokalen Polizei, der unter anderem nach ihnen sucht, kaum eine Chance hat - zugegebenermaßen stellt er sich aber auch nicht besonders clever dabei an. Die Eltern der beiden sind jedoch in großer Sorge. So arbeiten bald Sharp, Sams Pfadfinderlehrer (Edward Norton) und die oberste Sozialarbeiterin des Ortes (Tilda Swinton) zusammen: Die ganze Stadt soll auf den Kopf gestellt werden. Eine absonderliche Verfolgungsjagd beginnt.
Der Film präsentiert mit sehr viel Gespür fürs Detail eine witzige, teilweise sehr absurde Story mit toller Ausstattung und wunderschönen Kostümen. Die Geschichte spielt in den 1960er Jahren, die Bilder wirken dementsprechend wie aus einem alten Fotoalbum, in dem man immer wieder blättern will. Genauso ist es auch inszeniert: angenehm altmodisch und sehr liebevoll.
Die Darstellerriege ist absolut erstklassig: Anderson lockte Namen wie Bill Murray, Tilda Swinton, Edward Norton, Frances McDormand und Harvey Keitel an. Die wahren Stars sind aber Jared Gilman und Kara Hayward, die die beiden Kinder-Hauptrollen besetzen: zwei äußerst natürliche und sympathische Talente, die perfekt in diese charmant gezeichnete Welt passen.
Moonrise Kingdom
Komödie, USA 2012, Regie: Wes Anderson
fsk: ab 12 Jahre
Der Film startet u. a. im Lux - Kino am Zoo, Halle, Seebener Str. 172.