Madeleine (Catherine Deneuve, l) und Vera (Chiara Mastroianni) suchen nach der Liebe. (FOTO: DPA)
Viele dieser Träume werden nicht wirklich, und doch ist dies eine fröhliche, heitere Geschichte: Von Madeleine, der Schuhverkäuferin, deren Haare und deren ganze Aufmachung so blond und sexy sind wie Marylin Monroe - dem Idol der frühen Sechziger, in denen dieser Film beginnt. Bald erlebt sie die sexuelle Befreiung jener Jahre, wird eine „Bordsteinschwalbe“, wie man seinerzeit die Straßenmädchen nannte. Denn neben Männern gilt ihre Leidenschaft vor allem sündhaft teuren Schuhen, und dafür braucht sie Geld.
Dann lernt sie den Tschechen Jaromil kennen, einen gutaussehenden Jungen aus Prag. Sie wird seine Frau, zieht zu ihm, doch die Niederschlagung des Prager Frühlings und seine Seitensprünge sorgen für ihre Rückkehr mit der gemeinsamen Tochter Vera nach Paris. Dort heiratet sie ein zweites Mal, irgendwann besucht sie Jaromil. Es ist eine Geschichte der Träume und auch eine Geschichte der Lebensalter. Denn der Film erzählt Madeleines Leben bis in unsere Gegenwart, vom 20. bis zum 70. Lebensjahr. Und er erzählt das knallbunt und nostalgisch, leicht und romantisch. Es ist ein Film von einer Art, von der man dachte, dass es sie im Kino gar nicht mehr gäbe: Leidenschaftlich, pathetisch, überbordend, künstlich im besten Sinn: Wie ein Musical. Denn auch hier wird das Geschehen immer wieder unterbrochen, hält der Film inne für Gesangseinlagen im französischen Schlagerstil.
Der Pariser Regisseur Christophe Honoré knüpft unmittelbar an, an die größte, aufregendste Zeit des französischen Kinos: Die frühen Sechziger, als die experimentierfreudigen Regisseure der Nouvelle Vague die besseren Schüler Hollywoods waren, und nicht nur Gangstergeschichten erzählten, sondern sogar seinen Musical-Produktionen Konkurrenz machten.
Catherine Deneuve ist das Zentrum des Films: Großartig und souverän spielt sie die ältere Madeleine. Die junge gibt Ludivine Sagnier und Milos Forman ist in einem seiner seltenen Darstellerauftritte als Jaromil zu sehen.
Die Liebenden Drama, GB, F, Tschechien 2011, Regie: Christophe Honoré fsk: ab 12 Jahre
Der Film startet u. a. im LuxPuschkino Halle, Kard.-Albrecht-Str. 6.