Woody Allen am Set von «Der Schläfer» in einer Szene des Kinofilms «Woody Allen: A Documentary». (FOTO: B PLUS PRODUCTIONS/NFP/DPA)
Woody Allen zählt seit über 40 Jahren zu den eigenwilligsten und unabhängigsten Filmemachern im amerikanischen Kino. Bekannt wurde er durch seine neurotischen Komödien und seinen konsequenten Boykott der Oscar-Verleihung. Er würde stattdessen lieber Klarinette spielen, heißt es. Regisseur Robert B. Weide hat dem kauzigen New Yorker, der 1935 als Allan Konigsberg das Licht der Welt erblickte, nun ein beinahe zweistündiges Kinoporträt gewidmet. Und das ist gleichermaßen aufschlussreich wie sehenswert.
„Woody Allen: A Documentary“ befasst sich dabei vor allem mit der Filmographie des cineastischen Akkordarbeiters. In nahezu chronologischer Reihenfolge werden so unterschiedliche Werke wie „Bananas“, „Der Stadtneurotiker“ oder „Match Point“ vorgestellt.
Realität verhindert Meisterwerke
Allen selbst kommentiert die vielen dargebotenen Filmausschnitte und erzählt von seinen Inspirationen, Visionen und Emotionen. „Wenn ich in meinem Zimmer an einem Drehbuch schreibe, habe ich immer das Gefühl, ein neues Meisterwerk zu verfassen. Doch am Set holt einen dann die Wirklichkeit ein und ich versuche, die Katastrophe so gering wie möglich zu halten“, ist da etwa zu hören.
Daneben beschreiben andere Regielegenden wie Martin Scorsese ihr Verhältnis zu Woody Allen. Auch ein paar seiner Musen, zum Beispiel Diane Keaton oder Scarlett Johansson, kommen zu Wort.
Entstanden ist auf diese Weise ein launiger Dokumentarfilm, der sich auf den beruflichen Allen fokussiert. Das beginnt bei seinen Anfängen als Witzeschreiber und Stand-up-Comedian und führt bis zu seinem letzten Kritiker- und Publikumserfolg „Midnight In Paris“.
Von dem Privatmann Allan Konigsberg erfährt der Zuschauer hingegen nur am Rande. Etwa, wo er aufwuchs, wie er zu seinem Künstlernamen kam oder womit er sich nach Drehschluss am liebsten die Zeit vertreibt. Die gescheiterte Beziehung mit Mia Farrow und die anschließende Ehe mit deren Adoptivtochter bleiben hingegen ebenso kurze Randnotizen wie seine zweite Karriere als Jazzmusiker.
Dokumentation mit Unterhaltungswert
Das macht „Woody Allen: A Documentary“ zu einem Film, der in erster Linie die Arbeiten an einzelnen Kinoproduktionen beleuchtet. Doch auch das ist keineswegs steif, sondern besitzt einen hohen Unterhaltungswert. Ob Allens Kommentare immer die Wahrheit verkünden oder seinem besonderen Humor geschuldet sind, muss derweil jeder Zuschauer für sich selbst herausfinden. Doch auch darin liegt ein Reiz dieser vorzüglich-vergnüglichen Dokumentation.
Sicher scheint nur, dass der 76-Jährige noch lange nicht müde ist, Jahr für Jahr einen neuen Film herauszubringen. Denn trotz aller Erfolge und Auszeichnungen, darunter vier Oscars, ist er weiterhin auf der Suche nach seinem ganz persönlichen Meisterwerk: „Ich habe im Grunde alles erreicht, was ich erreichen wollte. Trotzdem habe ich noch immer das Gefühl, alles vermasselt zu haben.“
„Woody Allen: A Documentary“
Dokumentation
USA 2012
117 Minuten
FSK: 0
Verleih: NFP
Regie: Robert B. Weide
Mit: Woody Allen, Diane Keaton, Martin Scorsese, Scarlett Johansson u.a.