Aus der Perspektive der zehnjährigen Albertine (Lou Alvarez) erzählt sie von einem Familientreffen, zu dem das Mädchen mit seinen Eltern in die Bretagne reist. Der Westen Frankreichs gilt gerade als gefährdete Region, denn dort soll das außer Kontrolle geratene Weltraumlabor "Skylab" auf die Erde niederstürzen. Außer Kontrolle gerät auch immer wieder die Dynamik der Familie, die sich am 67. Geburtstag der Mutter versammelt. Das ganze Spektrum des politisch polarisierten Frankreichs der späten 70er Jahre ist hier am Tisch versammelt. Albertines Eltern Anna (Julie Delpy) und Jean (Eric Elmosnino) sind beide Schauspieler und standen im Mai 1968 auf den Barrikaden. Onkel Roger (Denis Menochet) hat als Berufssoldat in Algerien gekämpft. Bei Hammelbraten, Cous-Cous und Pastis diskutieren die Erwachsenen über die Todesstrafe, den Algerienkrieg und die Häufigkeit ehelichen Geschlechtsverkehrs, während Albertine sich in einen blonden Jüngling verguckt.
Julie Delpy entwirft ihr ebenso persönliches wie zeithistorisches Familienporträt gezielt ohne dramaturgisches Korsett. Aber ein solches Figurenarsenal ohne jegliches Handlungsgerüst zu führen, ist eine Kunst für sich, die Delpy leider nicht beherrscht. Allzu unfokussiert springt der Film zwischen Persönlichem und Politischem, Frauen und Männern, Linken und Rechten herum und schafft es nicht im Salat der Widersprüche, die Figuren hinreichend zu charakterisieren. Als leichte Sommerkomödie mit gelegentlichem Tiefgang konzipiert, verzettelt sich "Familientreffen mit Hindernissen" immer wieder in Lappalien, zerdehnt die komischen Situationen und findet in den dramatischen Momenten nur punktuell zu emotionaler Glaubwürdigkeit.
Familientreffen mit Hindernissen
Komödie, F 2011, Regie: Julie Delpy
FSK: Ab 12 Jahre
Der Film startet u. a. im Lux am Zoo, Halle, Seebener Straße 172.