Mehr als 40 Jahre alt: das berühmte «Tatort»-Fadenkreuz. (FOTO: ARCHIV)
„Bekommt ein Kommissar in der Sendung einen Bericht der Kriminaltechnik in die Hand gedrückt, so könnten wir dem Zuschauer den Bericht auf sein Smartphone schicken“, sagte der zuständige Online-Redakteur des Südwestrundfunks (SWR), Guido Bülow, am Donnerstag auf einer Tagung in Wiesbaden. Dort präsentieren auch andere Sender solche Modelle.
„Für den Fall, dass der 'Tatort+' fortgesetzt wird, arbeiten wir an solchen Ideen für die Zukunft“, sagte Bülow. Die ARD hatte Fans der Krimireihe Mitte Mai erstmals ermöglicht, nach der Ausstrahlung eines vom SWR produzierten Krimis mit Ulrike Folkerts im Netz nach dem Mörder zu suchen. Knapp 110.000 Zuschauer machten mit.
Für die ARD war dieses Projekt ein klarer Erfolg: Der Ansturm kam für den Sender so unerwartet, dass die Seite zusammenbrach. Die ARD teilte zum Abschluss mit, es werde „sicherlich auch in Zukunft neue Projekte der ARD geben, die Fernsehen und Web verbinden“.
„Wir müssen uns diesem Trend radikal anpassen“
In Wiesbaden diskutierte die Fernsehbranche am Donnerstag über den Trend des sogenannten Second Screens, den zweiten Bildschirm beim Fernsehen. Eine Studie hatte zuletzt herausgefunden, dass drei von vier Zuschauern während des Fernsehens auch Computer oder Handy nutzen. Viele informieren sich dabei über die Themen des Programms oder tauschen sich über Plattformen wie Facebook mit Freunden aus.
Neben der ARD will auch die Privatsendergruppe ProSiebenSat.1 die Zuschauer nicht nur allein mit dem TV-Programm beschäftigen. Sat.1 werde etwa im Oktober mit der zweiten Staffel der Castingshow „The Voice of Germany“ auch neue Programme für Smartphones starten: „Der Second Screen wird dann eine noch größere Rolle spielen“, sagte der zuständige Manager Stephen Strubel auf der TV-Tagung in Wiesbaden.
„Fans wollen Teil ihrer Lieblingssendung sein“, sagte Strubel. „Wir müssen uns diesem Trend radikal anpassen.“ Sat.1 hatte bereits zur ersten Staffel die Zuschauer über Handy-Apps mit Neuigkeiten zur Sendung versorgt. Das Publikum konnte über das Miniprogramm zudem miteinander über die jeweilige Folge der Musiksendung diskutieren.
BR zeigt die „Rundshow“
Das SocialTV hat bereits bei vielen Sendern in einzelnen Projekten Einzug gehalten. Der Bayerische Rundfunk zeigt etwa derzeit mit der „Rundshow“ für zunächst vier Wochen ein neues Format, das Zuschauer über soziale Netzwerke und Videokonferenzen in die Livesendung holt. In einer App mit dem Namen „Die Macht“ können Zuschauer zu einzelnen Themen ihre Daumen heben oder senken - und so Einfluss nehmen. Das ZDF wiederum strahlt aktuell mit „Die letzte Spur“ eine Krimireihe aus, die ebenfalls von einem Mitmach-Portal im Netz begleitet wird.
Gerätehersteller wie Samsung arbeiten unterdessen daran, Fernseher mit mobilen Geräten direkt zu verbinden. Ein Vertreter von Samsung erklärte in Wiesbaden, noch in diesem Jahr werde es mit ersten Modellen möglich sein, ein laufendes Fernsehprogramm an ein Handy zu übertragen, wenn beide Geräte im gleichen Heimnetzwerk angemeldet sind. Zuschauer könnten dann beispielsweise ein Fußballspiel mit in den Garten nehmen - oder auch die Lieblingsserie mit in die Küche.